Nein, die Welt wird nicht immer kleiner – aber die Möglichkeiten werden immer grösser und der Mensch wird immer stärker entwurzelt. So sieht es jedenfalls in meinem Umfeld aus: in meinem Freundes- und Bekanntenkreis herrscht eine ständige Bewegung, man zieht um – wegen dem Job, wegen der Liebe, wegen der Abenteuerlust – und dies nicht nur innerhalb eines Landes, auch nicht nur innerhalb von Nachbarländern, nein, man wechselt den Wohnort über Kontinente hinweg.

In den letzten Monaten füllt sich mein Kalender mehr und mehr mit “Skype-Verabredungen”, ein Versuch, um Kontakt über Distanzen und unterschiedliche Zeitzonen hinweg aufrecht zu erhalten: mit meiner seelenverwandte Freundin in Neuseeland (Zeitunterschied +11h), mit Freunden aus Vancouver (Zeitunterschied -9h), mit Steph in Ottawa (Zeitunterschied -7h), mit meiner besten Freundin in China (Zeitunterschied +7h). Spontanes Kommunizieren fällt da schwer. Gleichzeitig gibt es so viele Möglichkeiten: schnell mal ein Foto vom Ausflug, den man gerade macht, schicken oder aber einen Videoanruf übers Internet starten (teure Telefonkosten fallen weg und man kann sich gegenseitig sehen, deluxe!).

Also alles irre, toll, man ist vernetzt, man ist verbunden, egal, wo man sich befindet. Dadurch fällt es aber auch immer schwerer zu definieren, wo man eigentlich “zu Hause” ist. Mein Freundeskreis teilt sich da recht gleichmässig in zwei Gruppen: die “Sesshaften”, die ziemlich genau wissen, wo ihr Platz ist und dort auch zufrieden sind (das ist toll, solche Freunde sind “beständig”); und die “Traveller”, die Umherziehenden, die immer wieder mal an einem anderen Ort leben (solche Leute sind spannend – aber sie sind keine konstante Begleitung). Bei meinen Traveller-Freunden erkenne ich ein gemeinsames Muster, vielleicht ist es eine Art “Infektion”: wenn man sich einmal gelöst hat von seinen “Wurzeln”, wenn man einmal angefangen hat, sich wirklich fortzubewegen, sich für längere Zeit in eine komplett neue Umgebung zu begeben, dann weckt man eine Sehnsucht, die so schnell nicht mehr gestillt werden kann.

Man ist angesteckt mit der “Wanderlust”.

Wanderlust
Wanderlust

Es gibt so viel zu entdecken, so viele zu lernen, so viele Kulturen, unterschiedliche Denkweisen – dadurch kann man sich immer wieder hinterfragen, lernt sich selbst besser kennen und wächst und wächst und wächst…und es scheint endlos.

Längst nicht jeder kann solche Möglichkeiten nutzen. Aber immer mehr Menschen machen Gebrauch davon – nicht immer ganz freiwillig. Es ist spannend, es ist aufregend, es ist toll – aber es entwurzelt eben auch. Es ist nicht immer leicht, den Kontakt zu meinen “Traveller-Freunden”, meinen Wanderlust-Kollegen aufrecht zu halten; es ist aber immer sehr inspirierend. Und doch: diese Freundschaften spielen sich auf einer anderen Ebene ab. Es gibt keine vertrauten Kleinigkeiten des Alltags, die man miteinander teilen kann – aber es gibt doch ein festes Band, ein tiefes gemeinsames Verständnis, welches verbindet und somit Erfahrungen und Erlebnisse teilbar machen.

Wanderlust
by Robert W. Service

Dieses Band habe ich an diesem Wochenende wieder einmal besonders stark gespürt – das “Abarbeiten” von unterschiedlichen Skype-Telefonaten in diverse Länder und das Teilen von Momenten in Form von Fotos.

Einige der geteilten Eindrücke sind für den Titel dieses Blogeintrags verantwortlich:

Für Coco gibt es Tee in China bei einem Ausflug in das Teeanbaugebiet mit seiner 7 Millionen Einwohner umfassenden Stadt Hangzhou

hangzhou
China – Hangzhou
Tee
China: Tee

…während ich mir in der Schweiz das Hockey-Finalspiel in Bern anschaue.

SCB Spielbeginn
SCB Spielbeginn
Hockey
Bern: Hickey
Hockeyspiel
Hockeyspiel

 

Leave a Reply

Your email address will not be published.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.