Das ewige Auf und Ab. Die letzten 48 Stunden waren voll davon und ziemlich intensiv. Ich befinde ich mich in so einem seltsamen Zwischenzustand: ich befinde mich definitiv nicht in Urlaubsstimmung, auch wenn ich an einem Ort bin, an dem alles neu ist und es definitiv vieles zu entdecken gibt. Ich habe aber auch keinen festen Alltag hier, kann also noch nicht behaupten, dass ich hier ein “Alltagsleben” habe.

Aber es ist weit davon entfernt, langweilig oder in irgendeiner Art und Weise unproduktiv zu sein. Im Gegenteil, es bewegt sich viel, ich bin extrem aktiv – und gleichzeitig habe ich das Gefühl, mich ganz unten am Boden eines hohen Behälter zu befinden, ständig damit beschäftigt, irgendwie einen Weg nach oben zu finden.

Mein Start in Vancouver war zwar ähnlich, doch hatte ich damals andere Ziele. Vancouver stand für mich vor allem für die Chance, die Möglichkeit mich beruflich als “Interaction Designer” ausbilden zu lassen, und somit dem Bereich “Design” etwas näher rücken zu können. Der Versuch war ja auch äusserst erfolgreich – damals war ich mir allerdings bewusst, dass ich quasi als…nun ja, “Fast-Laie” in dieses Berufsfeld dringe, ich also bei vielem zurückstecken und nochmals von vorne anfangen muss.

Ganz so weit möchte ich hier in Toronto dann doch nicht zurückgeworfen werden. Da aber “verkaufen” und erst recht “mich selbst verkaufen” definitiv nicht zu meinen Stärken gehört, ist dies nochmals eine Herausforderung.

In jedem Bewerbungsgespräch, jeder Kontaktaufnahme muss ich versuchen, zu überzeugen. Bisher lief das ja auch ziemlich erfolgreich – doch wie bereits gesagt: die freundliche Stimmung, die ich hier erlebe, kann trügerisch sein. Da sind die Kanadier den Schweizern doch sehr ähnlich: nach aussen hin ist man erstmal freundlich, offen (gut, hier würde ich den Vergleich zu den Schweizern nicht sofort ziehen :-)) und warm. Dahinter kann aber absolutes Desinteresse stecken, you never know.

Und so war die Woche einerseits vom Abwarten geprägt – warten auf Feedback von meinen Bewerbungsgesprächen der letzten Woche. Andererseits standen aber auch zwei Prüfungen an: für zwei Bewerbungen habe ich jeweils eine “Challenge” erhalten, eine Aufgabe, die in einem gewissen Zeitrahmen zu erfüllen war. Diese haben mich auch bis tief in die Nacht hinein beschäftigt.

Am Donnerstag folgte dann wieder einmal ein grosses Down. Fast 3 Wochen sind rum, ich hatte zwar schon mehrere Gespräche, aber noch immer keine klare Zu- oder Absagen. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, die bisher interessantesten Firmen angeschrieben und getroffen zu haben (gut, bei 2.6 Millionen Einwohnern wird es wohl mehr als nur 6 Firmen für mich hier geben…). Selbst meine Bewerbung bei Starbucks blieb unkommentiert. Irgendwann ist aber die nächste Miete fällig…

Ja, da war es wieder, dieses tiefe schwarze Loch und gleichzeitig die Frage, die in dicken Lettern vor mir steht: Was mache ich eigentlich hier??

Am Freitag morgen stand dann das zweite Gespräch mit der Firma in Ottawa auf dem Programm. Ha, aber wie konnte es anders sein: dieses wurde 10 Minuten nach dem vereinbarten Termin wiederum verschoben. Immerhin hatte ich ein nettes Gespräch mit Sebastien, dem HR-Verantwortlichen, der irgendwie bereits sehr überzeugt von mir klang…

Also weiterhin dieses dumpfe Gefühl im Magen.

Und dann plötzlich: Sonnenschein durch die grauen Wolken!

Zuerst wurde ich von meinem ehemaligen Chef bei Unic kontaktiert; siehe da, sie hatten den Vertrag für mich als externe Mitarbeiterin fertig und am Montag werden wir über anstehende Projektarbeiten reden. Ich bin gespannt!

Am späten Nachmittag dann noch der Höhepunkt: FCV hat sich bei mir gemeldet (die Firma mit “dem Turnschuh” :-)). FCV ist eine Firma, die meinem Schweizer Arbeitgeber sehr ähnlich ist. Der Hauptsitz ist in Vancouver (loooove it!), der Standort in Toronto wurde erst kürzlich eröffnet – und dort hatte ich das bisher beste Bewerbungsgespräch mit dem netten Engländer.

Na, von denen habe ich nun auch einen Vertrag als externe Mitarbeiterin zugeschickt bekommen! Wooow! Wenn es dort richtig gut läuft, komme ich vielleicht doch noch nach Vancouver… :-))

Bisher sieht es so aus, als ob der Weg als Freelancer kein schlechter und wohlmöglich vielversprechend ist. Ich bin zwar noch immer vorsichtig, da ich bisher nur Verträge, aber noch keine Projekte habe – aber: yay, wenn das mal keine guten News sind!!

So, und das wird heute auch gefeiert. Ich habe Fitore und ihre Eltern zum essen eingeladen. Muss mich nun mal schnell in die Küche stellen und etwas feines zaubern – I’m happy, I’m relieved – at least for a while.

 

One thought on “Achterbahn der Gefühle”

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