Wow. Morgen bin ich genau einen Monat hier. Und so vieles ist mal wieder passiert bis hierhin. Und die Zeit fliegt weiter, einfach so, sie rast an mir vorbei und ich komme nicht richtig mit.

Vier Wochen Toronto. Wie fühlt sich das an? Seltsam. Viel. Wenig. Voll. Übervoll. Befremdlich. Fremd. Alleine. Frei. Aufregend. Bedrückend.

All das zusammen. Ich bin mir nicht mehr sicher, wie es sich nach den ersten vier Wochen in Vancouver angefühlt hat. Aber ich glaube, weniger “alleine”. Denn interessanterweise wirkt diese Stadt zwar irgendwie freundlich auf mich, weniger hektisch als erwartet – aber trotzdem schnelllebig und weniger “sozial”. Weniger nah, weniger emotional – als alle Orte, an denen ich bisher gelebt habe.

Heute ist mir bewusst geworden, dass meine letzte Woche – meine “soziale Woche”, in der ich an möglichst vielen Events und Aktivitäten teilgenommen habe, um Gleichgesinnte kennen zu lernen – das eben diese Woche einen fast gegenteiligen Effekt letztendlich auf mich ausgeübt hat. Ja, ich bin interessanten Menschen begegnet und habe Austausch gehabt; aber bei all den kreativen Menschen, die Geschichten zu erzählen haben und ihren Teil dazu beigetragen haben, diese Gesellschaft ein stückweit zu verbessern, da fühle ich mich ganz klein daneben, ganz unwichtig, unbedeutend und nichtsaussagend.

Und gleichzeitig muss ich mich jeden Tag aufs Neue verkaufen, begebe mich auf den Jobmarkt und versuche andere Leute von meinen Fähigkeiten zu überzeugen, davon, dass sie mich ganz unbedingt für meine berufliche Erfahrung bezahlen wollen. Funktioniert natürlich prima, wenn man sich selbst als “kleine, unbedeutende Person” sieht. Ich weiss, dass diese Denkweise falsch ist, und gleichzeitig weiss ich nicht, wie ich sie ändern kann.

Diese Stadt hat viel zu bieten, es gibt unendliche Möglichkeiten; gleichzeitig gibt es unendliche Konkurrenz und ich habe noch keinerlei Vergleichsmöglichkeiten, um mich und meine Fähigkeiten hier einstufen zu können. Daher wirkt diese Stadt auf mich gerade “einschüchternd”.

Der erste Monat Toronto: Geprägt von vielen unterschiedlichen Gefühlen. Es ist eine spannende Stadt, eine grüne Stadt, eine lebendige Stadt, eine offene Stadt, eine multikulturelle Stadt. Aber doch auch eine hektische Stadt, eine anstrengende Stadt, eine kämpferische Stadt, eine “Wir wissen es besser” Stadt.

Nein, meine Lieblingsstadt ist es nicht. Und ich vermisse die Berge. Schon jetzt.

Und ja, ich weiss auch, dass ich hier neue Sachen erleben kann, tolle Sachen. Klar. Das geht überall. Aber hier leben? So richtig? Für länger? Nö. Den Winter will ich hier mal miterleben, weil jeder von der extremen Kälte berichtet. Danach: mal schauen, wo ich dann stehe. Ob ich ich dann schon mehr angefreundet habe mit dieser Hochhauswüste.

Ja, da spricht viel Frust und viel Negativität aus mir heraus – und dabei gibt es objektiv wohl keinen Grund. Ich habe in den letzten Tagen nochmals 3 Interview gehabt und für diese Woche 3 weitere Interviews in Planung. Am Mittwoch geht es nach Ottawa für ein Gespräch. Gleichzeitig arbeite ich an einem Projekt für meinen Arbeitgeber in der Schweiz. Ich bin also nicht unbeschäftigt und die Aussichten sehen auch alles andere als schwarz aus. Und doch: da ist kein Austausch. Kein Team, kein Rückhalt, kein Zugehörigkeitsgefühl. Da bin ich und mein Versuch, einen Platz zu finden. Es sind erst 4 Wochen und so etwas braucht Zeit, logo – aber es fühlt sich echt besch…en an.

Aber: alles eine Frage der Sichtweise – und die wird sich hoffentlich auch wieder schnell bei mir ändern 🙂

AtNight
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