Und da ist auch schon die zweite Woche beinahe vorbei. Die war vor allem vollgepackt mit unserer Consulting-Arbeit, die ja die Hauptbeschäftigung ist, sowie kleineren Workshops zur persönlichen Weiterentwicklung.

In unserer Projektarbeit betreuen wir in Teams aus 2 Personen jeweils einen Klienten. Ich arbeite zusammen mit Karishma – und unser Projekt beschäftigt sich mit der Gypsy-Gemeinde hier in der Nähe von Pondicherry. Wir unterstützen John, unseren Kunden, bei seinem Projekt “Yurt on Wheels“: sein Ziel ist es, den Kindern in dieser Gemeinde Schulunterricht anzubieten, dabei sich aber nicht nur auf Lesen, Schreiben und Rechnen zu konzentrieren, sondern auch Verhaltensweise und Hygiene zu unterrichten.

 

Diese Gypsy-Gemeinschaft lebt in sehr ärmlichen Verhältnissen. Ähnlich wie die Roma in Europa ist dieses Völkchen von der Gesellschaft nicht anerkannt; sie haben kein Recht, Land zu besitzen, werden irgendwo vor die Stadt “hingesteckt” und leben ihr abgeschottetes Leben. Wir haben diese Gemeinde besucht: die Häuser bestehen nur aus einem einzigen Raum, der hauptsächlich zum schlafen genutzt wird. Möbel besitzen sie keine, geschlafen wird auf Matten auf dem Boden. Das Leben spielt sich hauptsächlich draussen auf der Strasse ab, wo über Holzfeuer gekocht wird (selbstgefangene Tiere wie Vögel und Ratten). Geld verdienen sie mit dem Verkauf von selbsthergestellten Halsketten und von Stempeln.

Gypsy Community (Source: www.theinnovationtrail.com)

 

Mandala
An mir wurde der Henna-Stempel getestet 🙂

 

Die Schwierigkeit ist, dass die Kinder in dieser Gemeinde meist mit ihren Eltern unterwegs sind und Sachen verkaufen – daher besuchen sie den Unterricht nur unregelmässig. Die Mädchen werden oft mit 14 Jahren verheiratet – und die Jungs müssen der Familie des Mädchens Geld bezahlen, sind also von früh auf darauf getrimmt, ihr eigenes Geld zu verdienen und für die Hochzeit zu sparen. Diesen Denkzyklus zu durchbrechen und Traditionen zu ändern wird schwierig werden.

John, der Projektleiter, möchte daher den Eltern helfen, bessere Produkte herzustellen und mehr Einkommen zu generieren, damit die Kinder nicht mehr beim Verkauf helfen müssen. Und da ist unsere Kreativität gefragt. Die nächsten Tage werden Karishma und ich uns viel mit Ideen für bessere Produkte und bessere Verkaufsmöglichkeiten beschäftigen 🙂

 

In dieser Woche habe ich ausserdem einen kleinen Workshop mitgeleitet: da ich bereits viel Erfahrung habe mit Produktentwicklung und Design Thinking, konnte ich unseren Trainer Ryan unterstützen, einen spannenden Workshop zu verschiedenen User Research Techniken durchzuführen – kam gut an 🙂

Workshop HCD
Workshop HCD

 

Workshop HCD
Workshop HCD im Cafehaus

 

Workshop
Workshop

 

Am Dienstag hatte ein Teammitglied Geburtstag: Tammy (aus Kanada)! Perfekter Anlass für ein leckeres Geburtstagsfrühstück!

Tammys birthday
Tammys birthday

 

Und wir haben endlich ein wenig Routine, um wieder aktiver zu sein: diese Woche gab es bereits 3 morgendliche Joggingrunden für mich. Einmal ging es auf einer Strasse entlang an Palmengärten…

Morning run with palm trees
Morning run with palm trees

 

…und dann auch mal an den Strand. Der sieht auf dem Foto zwar nett aus, war aber dann doch etwas schmutzig. Direkt am Strand gibt es eine Art “Slum-Zone”: dort leben arme Fischer, die heute aber nicht mehr Fische aus dem Meer holen, sondern Müll. Und so stapeln sich die riesigen Müllberge am Strand. Zudem wird der Strand als öffentliche Toilette genutzt – es war ein Hürdenlauf und man sah immer wieder hockende Gestalten bei der “Arbeit”…

Morning run at the beach
Morning run at the beach

 

Morning run at the beach
Morning run at the beach

Am Donnerstag Nachmittag hatten wir einen gemeinsamen “Ausflug”: gemeinsam haben wir eine Bollywood-Tanzstunde absolviert – sehr spassig!

Workshop HCD
Gleich gehts los mit Bollywood

 

Tempel in Pondicherry
Tempel in Pondicherry – Blick von der Tanzschule aus

 

Highlight der Woche war dann wohl der Skorpion im Badezimmer, der uns am Abend begrüsste. Der Monsoon hat diese Woche eingesetzt und jetzt sucht sich jedes Tier ein Schlupfloch. Wir haben uns sagen lassen müssen, dass Skorpione längst nicht das aufregendste Tier sei, wir sollten uns lieber vor den Schlangen in Acht nehmen, die sich gerne überall hinschlängeln. Und siehe da: am nächsten Tag hatte Anna aus unserem Team eine Schlange im Bad…

Skorpion im Bad
Skorpion im Bad

Ansonsten geniessen wir unser Leben im Haus (mit Hund und Katze als Begleiter), kochen gemeinsam, haben spannende Diskussionen, tauschen uns über unsere Projekte aus und lachen viel. Fein ist es!

Unser foyer
Unser foyer

 

Dog in the house
Dog in the house

 

Cat in the house
Cat in the house

Das war die Woche im Schnelldurchlauf. Morgen geht es für einen Wochenendtrip nach Chennai, der nächst grösseren Stadt hier. Macht euch also für “mehr Indien” bereit 🙂

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