Ein neues Abenteuer! Wilson und ich haben ein ereignisreiches, intensives, wundervolles uns anstrengendes Wochenende hinter uns.

Wir haben kurzerhand beschlossen, mit unseren zwei Skifreunden eine 2,5-Tagestour mit Skiern und Zelt zu verbringen, um den Garibaldi-Gletscher zu überqueren. Es ist eine sehr beliebte Mehrtages-Skitour hier in B.C. Leider gibt es in Kanada nicht so ein tolles Hütten-Netzwerk, wie wir es in Europa haben, wo alle paar Kilometer eine Berghütte zu finden ist. Für uns bleibt da nur die Option: Zelt, Schlafsack und Isomatte eingepackt, Rucksack aufgeschnallt, und los.

Am Freitag nach Feierabend ging es gemeinsam mit Kirk und Sean los. Da unser Ziel 44 Kilometer von unserem Ausgangsort entfernt ist, mussten wir zunächst Autos richtig platzieren: ein Auto wurde zum Zielort gefahren, dann sind wir alle gemeinsam mit dem zweiten Auto zum Startort gefahren.

Als wir endlich losmarschierten, war es bereist 21 Uhr. Jawoll, nachts ging es los – aber von Dunkelheit war nicht wirklich die Rede. Wir hatten Vollmond! Und es war eine der herrlichsten Nachtwanderungen, die ich bisher erlebt habe: der weisse Schnee um uns herum reflektierte das Mondlicht so intensiv, dass wir noch nicht einmal unsere Stirnlampen brauchten! Wir wanderten ca. 3 Stunden durch den Wald, ehe wir auf der ersten Anhöhe ankamen. Hier fuhren noch vereinzelte Skifahrer munter die kurzen Hänge hinunter, Schneeschuh-Wanderer begrüssten uns – ein jeder nutzte diese tolle Nacht aus. Ich kam mir vor, wie in Skandinavien (wo es nie dunkel wird im Sommer).

Gegen Mitternacht hielten wir an, suchten uns ein flaches Plätzchen und stellten unsere Zelte auf. Wir lagen alle ziemlich schnell in unseren Schlafsäcken…doch so richtig schlafen konnte ich nicht. Meine Finger und Zehen waren Eisklumpen und wollten und wollten nicht auftauen. Hm, gehört wohl zum Abenteuer dazu…

Am nächsten Morgen wachten wir dafür bei tollstem Sonnenschein auf: das gibt Energie!

Nach etwas Haferbrei und Kaffee (es hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert, Schnee in kochendes Wasser zu verwandeln mit unserem kleinen Gaskocher) ging es los: Rucksack aufgeschnallt und los. Schritt für Schritt.

Zu Beginn liefen wir auf einer langen Anhöhe entlang, um uns herum reihten sich die Berge – traumhaft schön. Unterwegs sahen wir Tagesausflügler – und vor uns konnten wir zwei Gruppen von je 4 Personen ausmachen. Was für ein Glück, denn diese Gruppe hinterliess uns einen perfekten Pfad, dem wir folgten, und uns somit nicht durch Neuschnee kämpfen mussten.

Nach etlichen Stunden (und bereits schmerzenden Schultern und Nacken meinerseits) kam die erste “Abfahrt”. Was mich sonst so froh stimmt, machte mich nun nervös: mit dem fetten Rucksack den Hang runter, na prima. Ging aber alles gut 🙂

Jetzt gab es erstmal eine Verschnaufspause und Mittagessen (mit Hummus gefüllte Tortilla – leicht und einfach zu transportieren :)) Anschliessend kam der anstrengendere Teil: es ging stetig bergauf, und das in einem engen Tal, wo rechts und links der Schnee runterrutschen könnte. Zum Glück waren die Schneeverhältnisse günstig, die Lawinengefahr gering – dennoch hiess es: zügig gehen ohne Zwischenstop.

Auf der Anhöhe angekommen lag dann der Gletscher vor uns. Bis auf einige wenige Gletscherrisse konnte man kaum wahrnehmen, dass dies ein Gletscher war. Wir stapften weiter, Schritt für Schritt…direkt in eine Nebelwand hinein.

Wir mussten noch höher hinauf, das Wetter zog zu – und Sean kam langsam am Ende seiner Kräfte an. Wir legten einen Zwischenstop ein und Wilson versuchte, bei recht starkem Wind Wasser für einen heissen Tee zu kochen. Was nun: ein Loch buddeln und das Zelt aufschlagen…oder weiter stapfen?

Ich war fürs weiterziehen. Wir waren nicht weit vor einer kurzen Abfahrt entfernt – und weiter unten war der Wind sicher weniger schlimm. Wir hatten Spuren, denen wir folgen konnten, so wie Karte, Kompass und Navigationsgeräte. Nach einer kurzen Pause war jeder einverstanden: dies war wahrlich nicht der schönste Ort, um ein Zelt aufzuschlagen.

Nach etwa 40 Minuten erreichten wir dann das nächste Tal, direkt unter der “Sharkfinn”, also Haifischflosse (einem spitzen Felsen, der tatsächlich flossenähnlich geformt war). Hier gruben wir nun eine kleine Vertiefung und bauten unsere Zelte auf. Sean war am Ende seiner Kräfte, mein Rücken schmerzte wie Hölle – und so machte sich Wilson wieder einmal daran, Schnee zu schmelzen, damit wir alle etwas heisses zu uns nehmen konnten.

Zweite Nacht: diesmal benutzen wir den “Flaschentrick”. Heisses Wasser in eine Trinkflasche füllen, die dann in den Schlafsack legen – aaaaah, warme Füsse!! Da ging das Einschlafen doch schon viiiieeel besser 🙂

Der nächste Morgen sah nicht mehr ganz so toll aus, nebelig und grau. Wir schmolzen wieder etwas Schnee, um genug Wasser für den Tag zu haben, bauten unsere Zelte ab und machten uns weiter auf die Reise: weiss in weiss.

Nach etwas einer Stunde erreichten wir die letzte Anhöhe – und vor uns der Garibaldi Lake. Im Nebel.

Wieder in Abfahrtsmodus, runter zum See. Dies war die nächste Herausforderung: 6 Kilometer flache, endlose Weite. Da schmerzen die Füsse (auf flachen Strecken bekommt man viel leichter Blasen, warum auch immer) und die Motivation sinkt. Wann sind wir denn da? Hört das irgendwann auf?

Irgendwann…erreichten wir dann die andere Seite des Sees. Hier gab es eine überdachte Picknick-Stelle, die wir nutzen, um noch einmal heisses Wasser zu kochen und uns für das letzte Stück zu wappnen. 10 Kilometer Abfahrt lagen vor uns – allerdings auf einem sehr schmalen und vereisten Waldpfad, so dass von “skifahren” nicht die Rede sein konnte, eher (un)kontrollierte Rutschpartie, die mächtig auf die Knie ging 🙂

Um kurz nach 15 Uhr: der Parkplatz, das Auto. Wir hatten es geschafft. 46 Kilometer, 2100 Höhenmeter und 42 Stunden lagen zwischen Start und Ende dieses Abenteuers. Es wird in Erinnerungen bleiben – mit seinen Höhen und Tiefen. War es beeindruckend? Auf jeden Fall. Würde ich es noch einmal machen? Erstmal nicht so. 🙂

Und nun: ausruhen.

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