Die letzten Tage waren intensiv. So viele Emotionen, ein Auf und Ab, manch eine grosse Flutwelle, die alles mit sich riss, gefolgt von sanfteren Wogen und so etwas wie Schön-Wetterfronten.

Trauer

Da war zum einen die grosse Trauer, der plötzliche Abschied (oder auch Nicht-Abschied) von meinem Papa. Das letzte Mal hatte ich mit ihm telefoniert kurz bevor er ins Krankenhaus kam. Und dann Steffen’s Anruf mit der traurigen Botschaft…

Auch wenn es Papa über die letzten Jahre hinweg stückweise immer schlechter ging, seine Bewegung langsam nachliessen, sein Kopf ihm ab und zu Streiche spielten – es kam doch plötzlich und vollkommen unerwartet. Ich klammer mich an den Gedanken, dass er friedlich und schmerzfrei einschlief und dass es ihm dort, wo er jetzt ist, besser geht.

Traurig und schmerzhaft war die Beerdigung, der letzte Gang, die Endgültigkeit: er ist von uns gegangen.

Dankbarkeit

Dann war da auch unglaublich viel Dankbarkeit für all die lieben Menschen um mich herum, die diese schweren Stunden erträglicher machten. Wilson, der extra nachreiste für die Beerdigung, meine Geschwister, Familie, Nachbarn und Freunde. So viel Nähe – trotz ungemütlicher Zeiten und den Einschränkungen aufgrund des dämlichen Corona-Virus.

Heiterkeit

Es gab auch viele schöne Momente, Freude, Lachen – vor allem aufgrund meiner Nichten und meinen Neffen. Kindermund – tut Wunder 🙂

Und die vielen schönen gemeinsamen Momente, unter Geschwistern, als Familie, alle zusammen. Das war toll.

Es wird noch eine Weile dauern, bis das alles so richtig angekommen ist. Wenn meine Anrufe am Wochenende nun ausbleiben, kein Drängen, wann denn der nächste Blogeintrag erscheint oder wann ich endlich wieder nach Deutschland komme…


Nein, einfach waren die letzten Tage nicht. Und Covid macht alles noch einmal so schwer. Ziemlich unnötig, wie ich finde.

Unsere Rückkehr nach Kanada war ein einziges Chaos. Es fing damit an, dass wir in eine überfüllte Abflughalle traten, am Sonntag gegen 11 Uhr in Frankfurt. Menschenschlangen, die kein Ende nehmen wollten – und keiner wusste, wo man sich für was anstellen sollte. 2 Stunden verbrachten wir in Warteschlangen, nur, um unsere Koffer aufzugeben. Wir verpassten beinahe unseren Flug. Zum Glück war das Personal etwas hinterher, da sie, bevor die Passagiere in den Flieger durften, jeder einzeln kontrolliert wurde und seinen Ausweis sowie negativen Covid-Test vorlegen musste. Den hatten wir ja glücklicherweise am Vortrag in Fulda gemacht.

Und dann der erste Hieb: unser Covid-Test war angeblich “der Falsche”. Wir hatten einen “Rapid-Test”, akzeptiert wurde aber nur ein “PCR Test”. Wie bitte? Seit wann gibt es unterschiedliche Tests? Und wieso sind diese nicht aussagekräftig? Wozu macht man das denn dann überhaupt??? Dabei waren wir bereits zum zweiten Mal geimpft…

Wir wurden tatsächlich nicht in den Flieger gelassen – und durften in die nächste Warteschlange. Erst 1.5 Stunden am Service-Schalter, um unseren Flug umzubuchen, dann ab zum Covid-Test…

Es wurde ein langer, langsamer Sonntag. Wir buchten eine Nacht in einem der Flughafen-Hotels und fuhren dann mit der S-Bahn nach Sachsenhausen, um noch einmal gute hessische Küche zu geniessen.

Am Montag Morgen dann der zweite Anlauf. Unsere Testergebnisse kamen per Email – noch immer negativ (Überraschung!), also ab zum Flieger. Zuerst ging es nach München. Der Flieger hatte Verspätung – und selbst, als wir alle im Flieger sassen, mussten wir noch eine Stunde warten, da der Gepäcktransport in Frankfurt irgendeine Panne hatte. Geht ja gut los.

In München dann umsteigen in den Flieger nach Vancouver. Unser Covid-Test wurde diesmal akzeptiert, hallelujah. Jetzt aber.

10 Stunden später (alles mit Maske, pfui) landeten wir in Vancouver. Hier ging es nun durch die Grenzkontrolle, Ausweise zeigen, dann der Gesundheitscheck – und nun aber.

Für Reisende, die noch nicht komplett geimpft sind, besteht in Kanada die Pflicht, sich direkt vom Flughafen für 3 Nächte in ein Hotel zu begeben. Nicht nur irgendein Hotel – sondern ein staatlich anerkanntes & Covid-registriertes Hotel. Da startet die Übernachtung bei $400. Wie bitte????

Das konnten wir aber nicht machen, wir haben Ace zu Hause. Wir hatten zwar liebe Nachbarn, die sich um ihn kümmerten, als wir weg waren – aber Ace ist ein Wolf und kein Hund, und damit für eigentlich jeden eine riesige Herausforderung. Während wir weg waren, musste die Polizei vorbeikommen, der Tierschutz war da, alle Nachbarn standen auf der Matte, unsere Vermieterin wurde bedrängt…Chaos. Wir wollten unsere Nachbarn keine Sekunde länger in dieser Situation lassen und mussten nach Hause.

Wir sind auch zweimal geimpft – aber der Impfschutz ist angeblich erst 14 Tage nach der letzten Impfung abgeschlossen. Wir kamen am 13. Tag zurück…ein Tag fehlte uns.

Der Gesundheitsfuzzi konnte uns so nicht durchlassen. Regeln sind Regeln. Wären wir einen Tag später eingereist, wären wir durchgekommen, ohne Hotel. Wie verrückt ist das denn??

Nach vielen Diskussionen und Argumentationen dann die Alternativ-Lösung: wenn wir uns weigern, in ein Hotel zu gehen, gibt es eine Busse. $7.000 pro Person. Das sind $14.000 für uns beide – das ist der teuerste Flug meines Lebens! Die Busse können wir anfechten vor Gericht – und das werden wir auch versuchen.

Doch vorher müssen wir 14 Tage Quarantäne absitzen. Wir dürfen nun in den nächsten Tagen nicht das Haus verlassen (ausser Ace Gassi zu führen, Gott sei dank haben wir diesen Hund!), dürfen keine Einkäufe erledigen (das muss nun alles online passieren), nicht raus zum joggen oder Fahrrad fahren, nicht zum Bäcker, natürlich keine Freunde treffen…ich geh kaputt. 14 Tage Gefängnis in den eignen vier Wänden.

Ich muss nun jeden Tag in einer App unseren Gesundheitszustand bestätigen, zusätzlich einen täglichen Eintrag auf einer Webseite vornehmen. Falls wir gegen Regeln verstossen, kann eine Geldstrafe von bis zu 1 Millionen auf uns zu kommen.

Und jetzt sag mir doch noch einer, dass das alles Sinn macht! Extreme Vorschriften, die jeder Logik entbehren und eine reine Schikane sind. Hier in Vancouver gibt es keine Maskenpflicht mehr, unsere Zahlen sind recht niedrig, jeder läuft draussen rum und geniesst das tolle Sommerwetter.

Nur wir nicht.

Danke.

Aber vielleicht gibt mir so eine Quarantäne ja kreative Schübe und es kommt irgendetwas Schickes dabei raus…mal sehen.

Erstmal: danke an all die lieben Menschen, ganz besonders meine Familie, für die tolle Unterstützung!

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