Ziemlich still hier im Blog in den letzten Wochen. Ich schaue kurz zu meinem Wandkalender hoch: ja, tatsächlich, wir haben bereits Juni. Die Hälfte des Jahres ist fast vorbei. Und hier in Vancouver ist der Sommer noch immer nicht angekommen. Wir dümpeln weiterhin bei 12 Grad vor uns hin, meist bewölkt oder regnerisch, die Sonne kommt nur kurz durch.

Passt ja dann eigentlich ganz gut, dass ich so eingespannt bin mit Projekten und stundenlang vor meinem Computer sitze. Richtig stimmungsfördernd ist das aber nicht: brauche dringend eine Pause. Eine Woche noch…

In der Zwischenzeit versuche ich mich, auf meine Motorradprüfung vorzubereiten – was neben etwas Theorie vor allem bedeutet: Motorrad fahren. Vor einer Woche habe ich mir ein Motorrad bei meiner Schule geliehen und bin mit Wilson durch Vancouver gedüst. Er auf seiner selbstgebastelten Maschine, ich auf einem kleinen Schulrad 🙂

Ich war schon ziemlich nervös. Wilson ist nicht gerade “gemächlich” im Strassenverkehr, und ich bin doch noch ein totaler Anfänger. Aber es hat besser geklappt als erwartet! Wir haben uns kein einziges Mal gestritten – im Gegenteil, wir haben sogar neue Bekanntschaften geschlossen! Als Motorradfahrer ist man sofort Teil einer richtigen Community!

Wir hatten sogar Glück mit dem Wetter – es war zwar kalt auf dem Motorrad, aber sonnig, so dass wir zwischendurch genüsslich Pause machen konnten.

Also: ein Erfolgstag.

Direkt am nächsten Tag waren wir mit den Mountainbikes unterwegs. Wilson hat sich ein Fahrrad von einem Freund geliehen und war seit über einem Jahr wieder auf einem Mountainbike. Da war schon jede Menge Unsicherheit mit dabei – aber auch das lief prima! So schnell wird das Mountainbiken wohl nicht wieder sein Lieblingssport werden – die Angst, dass etwas mit dem Knie passieren kann, sitzt doch zu tief. Aber alles in allem lief es gut und wir hatten viel Spass.

Am nächsten Tag haben wir sun dann beide auf unsere Rennräder geschwungen. Hier fühlt sich Wilson momentan am wohlsten. Momentan finden die grossen Rennrad-Turniere statt, die wir beide mitverfolgen (Giro d’Italia, Tour de France kommt bald, Tour de Suisse ebenso) – da ist jede Menge Begeisterung vorhanden.

Und so sind wir los gezischt, mit einem recht zügigen Tempo. Wir fuhren mit etwa 30 km/h auf unseren Rädern, ich vorne weg, als ich sah, wie die Ampel vor uns auf rot sprang. Ich hörte Wilson hinter mir etwas rufen, dass wie ein “No” klang – und trat auf die Vollbremse.

Leider rief Wilson “Go”, gab hinter mir noch richtig Gas – und ist volle Lotte in mich hineingekracht. Da lagen wir beide am Boden, mein Fahrrad landete auf Wilson – mein erste Gedanke: das KNIE!!

Zum Glück ist seinem Knie nichts passiert. Aber er ist mit dem Kopf aufgekommen, hatte eine leichte Gehirnerschütterung, sowie Schürfwunden und Prellungen. Sein Fahrrad hat es auch übel erwischt: der Carbonrahmen war angeknackst.

Was für ein Schock. Da tasten wir uns beide an Situationen ran, in dene wir uns unsicher fühlen – Motorrad fahren, Mountainbiken – und dann kommt der Knall bei etwas, bei dem man sich sonst so sicher fühlt. Ausgerechnet mit dem Rennrad, Wilson’s einziger Sport momentan, wo er sich nach Herzenslust austoben konnte.

Nun ist wieder eine Pause angesagt: Kopf ruhig halten, Prellungen abheilen lassen – und natürlich das Fahrrad reparieren. So sieht das momentane Stimmungstief aus.

Naja, wir versuchen, das Beste daraus zu machen. Einfach mal entschleunigen. Und zum Beispiel man den Strand gehen, das Watt bewundern und dankbar zu sein, dass alles so glimpflich verlaufen ist.

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