Die Karnischen Alpen

Von den Lienzer Dolomiten ging es nun in das nächste Tal für uns: noch immer in Österreich, hinauf zu den Karnischen Alpen. Hier läuft auch der Karnische Höhenweg entlang (auch Friedensweg genannt).: von Silian nach Thörl, etwa 155km lang, kann dieser Höhenweg, der direkt entlang der Grenze zwischen Italien und Österreich verläuft, in 8 Etappen erwandert werden. Wir sind nur ein Teilstück gegangen, da wir noch weitere Ziele hatten…

Tag 3: St. Lorenzen – Hochweissteinhaus (11 km, 820 m)

Frisch gestärkt machten wir uns am Freitag morgen auf den Weg. Der heutige Tag war eine richtige Erholung nach unserem kräftigen Auf und Ab von gestern: ein eeeeeeendloser Weg durchs Tal mit leichtem Anstieg.

Hier in St. Lorenzen lebt man von der Landwirtschaft und ist noch sehr manuell eingestellt. Man sieht am Morgen die gesamte Familie mit anpacken.

Unterwegs sind wir ansonsten niemandem begegnet – ausser ein paar Kühen.

Nach wenigen Stunden konnten wir unsere nächste Hütte sehen: die Hochweisstein Hütte. Hier ging es noch einen kurzen Anstieg bergauf, den meine Beine gerade noch so mitmachten.

So früh am Tag wollten wir erst einmal die Gegend erkunden. Von der Hütte waren es nur wenige Höhenmeter bis zur italienischen Grenze! Das durften wir uns nicht nehmen: rauf ging es – doch ohne Rucksack geht es schon viiieeeel leichter 🙂

Schon verrückt direkt auf einer Grenze zu stehen. Doch man erkennt auch, wie willkürlich Grenzen oft sind: das Gras ist in Italien genauso grün wie in Österreich.

Den restlichen Nachmittag erholten wir uns bei Bier und Sonne und machten neue Bekanntschaften.

Da war zum einen Michael, der Motorradfahrer aus Stuttgart. Er kommt jedes Jahr mit seiner Motorradgang nach Italien und fährt in den Bergen entlang. Dieses Jahr ist er etwas früher gekommen, um etwas zu wandern. So kam er von der italienischen Seite hoch, übernachtete auf der Hütte in Österreich und stieg am nächsten Tag wieder ab. Sein Hauptsport schien jedoch nicht das wandern, sondern das Bier trinken zu sein…

Dann gab es noch die beiden Langzeitwanderer: zwei Studiumsabsolventen, die (eigentlich unabhängig voneinander) 120 Tage lang in den Bergen unterwegs waren – von Trieste nach Monacco auf der Via Alpina. Das war eine etwas längere Strecke: 2450 Kilometer, 142.000 Höhen- und Tiefenmeter. Respekt – aber nichts für mich.

Und eine Gruppe Jungspunts aus Österreich, die von der Hütte kamen, auf die wir am nächsten Tag hinwollten. Sie erzählten uns von dem sehr ausgewaschenen Wanderweg, einem Eisfeld und einem “abenteuerlichem Weg” zur Hütte. Nanu? Der Hüttenwirt bestätigte: der Weg, den die Jungs gekommen waren, sei offiziell noch gesperrt und er empfahl uns einen kurzen Umweg für den nächsten Tag. Das ist auch ok für uns.

Nach einer einigermassen ruhigen Nacht in unserem ersten Massenlager (bisher hatten wir das Glück, die einzigen auf den Hütten zu sein) ging es dann am nächsten Morgen weiter zu einer “Langstrecke”.

Tag 4: Hochweisstein – Porzehütte (19 km, 1400 m)

Als wir am Morgen starteten, sahen wir eine weitere Gruppe den “gesperrten” Weg einschlagen – und prompt befand ich mich in einem Wettlauf. Peter wollte zeigen, dass wir trotz “Umweg” schneller sein können. Haben wir auch geschafft und mussten uns nicht mit “eisigen Schneefeldern” herumplagen (die wohl gar nicht so schlimm waren wie sich später herausstellte).

Wir haben uns aber eine kurze Verschnaufspause gegönnt, nachdem wir die andere Gruppe angehängt hatten.

Auf unserem Weg wurden wir wir von Schafen begrüsst – die, so süss sie auch aussahen, einen ziemlichen Geruch verbreiteten, da musste ich mich nicht lange aufhalten.

Der Weg führte nun schön über den Kamm entlang, rechts ging es runter nach Österreich, links nach Italien. Wir hatten eine tolle Aussicht und genossen diesen doch eher “flachen” Weg (es gab viele kleine Aufs und Abs, aber alles in allem sehr entspannend für die Beine).

Auf diesem Grenzweg kam man immer wieder an Überresten aus dem zweiten Weltkrieg vorbei: Schutzwälle, Bunker und Schiesscharten waren überall strategisch positioniert. Schon faszinierend, Geschichte zum anfassen.

Wir genossen diese Wanderung extrem – waren dann aber auch froh, als wir die Porzehütte vor uns sahen. Eine weitere superschicke Hütte, die erst vor wenigen Jahren renoviert wurde. Die Hütte ist gut aus dem Tal erreichbar und dient somit auch als Restaurant für Tagesausflügler. Von all den Hütten auf unserer Wanderung war diese Hütte sicher die modernste.

Hier gab es auch ein Wiedersehen mit den meisten Wanderern von der Hochweisstein Hütte, da sich die meisten auf dem Karnischen Höhenweg befanden. Wir verbrachten einen gemütlichen Abend mit vielen Geschichten, die ausgetauscht wurden.

Tag 5: Porzehütte – Obstanzer Seehütte (13 km, 1280 m)

Weiter geht der Spass, der letzte Tag für uns in den Karnischen Alpen. Unser neuer Freundeskreis wird sich heute zerschlagen, da von hier alle in unterschiedliche Richtungen strömen.

Peter und ich hatten vor, zwei Klettersteige mitzunehmen. Doch erst einmal mussten wir uns von der Hütte rauf auf einen Pass quälen…man, wieso wird der Rucksack denn immer schwerer?

Dafür durften wir tollen Sonnenschein geniessen – und damit auch herrliche Ausblicke. Einmal den Pass überquert ging es wieder ein Stück weit ins Tal hinab…

…um dann auf der anderen Seite wieder hinauf zu kraxeln.

Oben angekommen stand die Filmoor Hütte. Hier konnten wir kurz verschnaufen – für eine Bierpause war es allerdings noch zu früh. Schade.

Von hier gab es zwei Optionen für Klettersteige: ein Klettersteig lag direkt auf dem Weg zur nächsten Hütte, der zweite Klettersteig war mit einem kleinen Umweg verbunden. Wir entschieden uns für die bequeme Variante und folgten den Wegweisern. Ein wenig stutzig wurden wir, als die uns in ein weiteres Tal führten…dabei wäre unsere Hütte recht einfach auf einem Grat entlang zu erreichen gewesen. Nun ja, erstmal die Landschaft geniessen.

Nachdem wir ziemlich viele Höhenmeter wieder “verloren” hatten, standen wir an der Abzweigung zum Klettersteig. Doch was war das denn? Da stand ein grosses Schild: “Via Ferrata ist geschlossen”. Na prima, und das hätte man nicht bereits oben auf dem Berg mitteilen können? Der Frust war ziemlich gross: wir hatten uns so sehr auf einen weiteren Klettersteig gefreut. Nun mussten wir einen endlos langen Umweg in Kauf nehmen – und der führte uns auf einer Moräne in einer steilen und geraden Linie aus dem Talkessel wieder hinauf auf den Berg. Dankeschön!

Doch irgendwann war auch das geschafft – und vor uns lag: ein weiteres Tal 🙂 Diesmal mit dem Obstanzer See und der dazugehörigen Hütte. Juchhe!

Hier gab es erstmal eine Abkühlung im See, um den Frust über unseren unnützen Umweg wegzuspülen.

Nach einer Erfrischung und einem hervorragendem Abendessen erkundeten wir noch etwas die Gegend. Wir wurden auf ein Schild mit der Aufschrift “Eishöhle” aufmerksam – na, das muss man sich doch mal näher anschauen. Bei schöner Abendstimmung stapften wir zu einer kleinen Höhle, die sich zwar ziemlich eisig anfühlte, aber ausser ein wenig Schnee am Eingang kein Eis mehr zeigte.

Damit schlossen wir den fünften Tag unserer Wandertour dann doch etwas versöhnt und zufrieden ab. Morgen würden wir dann die Karnischen Alpen verlassen und uns zu den Sextner Dolomiten begeben – was auch heisst: ab nach Italien!

Davon mehr im nächsten Eintrag…

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