Unser Wandertrip neigte sich nun bereits dem Ende zu. Vor uns lagen noch zwei Tage, die wir jedoch gemütlich angehen wollten. So der Plan.

Tag 8: Zsygmondi Hütte (3 + 11 km, 190 + 820 m)

Von der Carducci Hütte ging es nach dieser aufregenden Nacht für uns nur mal eben über eine kleine Anhöhe, um bei der nächsten Hütte zu landen, der Zsygmondi Hütte.

Bevor wir aufbrachten, tauschten wir uns noch ein wenig mit den Slowenen aus: die mussten nun irgendwie ihren Weg zurück zu ihrem Auto finden und teilten sich daher in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe wollte von hier ins Tal wandern und den Bus zurück zum Parkplatz nehmen, während der ältere Mann und zwei Begleiter sich noch eine Nacht auf der Carducci Hütte ausruhten.

Bevor wir uns auf unseren Weg machten, holte einer der Slowenen noch eine kleine Flasche heraus: “Hier, probiert meinen hausgemachten Schnaps!” Na, die konnten die letzte Nacht ja schnell abschütteln 🙂 Vielleicht sind es doch nicht die Aufgaben, die zu gross sein können…

Wir liefen von hier nun knapp 200 Meter hoch auf einen kleinen Sattel, wo Fahnen aus Nepal im Wind tanzten – hier herrscht noch echte und tief verbundene Liebe zu den Bergen.

Nach weniger als einer Stunde standen wir dann vor unserer nächsten Hütte. Diese war um einiges grösser und moderner als die Carducci Hütte, wirkte somit auch etwas touristischer.

Natürlich war das noch viel zu früh, um wieder Pause zu machen. Also stellten Peter und ich unsere Rucksäcke in der Hütte ab und machten uns ohne (bzw. mit leichtem) Gepäck auf Erkundungstour. Die Hütte war gar nicht so weit von den berühmten Drei Zinnen entfernt, da wollten wir hin.

Was für eine Umgebung hier – man sieht sofort, warum die Dolomiten ein Kletterparadies sind.

Der Wanderweg führte uns durch weitere historische Orte: hier gab es einige Klettersteige, die im ersten Weltkrieg angelegt wurden, sowie alte Bunker, die man noch betreten konnte.

Es ging vorbei an Seen, einer weiteren kleineren Hütte (eher ein “Berg-Cafe”) und mehr Klettersteigen. Je näher wir den Drei Zinnen kamen, desto belebter wurde es: man merkte, das dies ein beliebter Ort für Touristen ist.

Lustigerweise war die Drei-Zinnen-Hütte noch nicht geöffnet.Schwer zu verstehen, bei den Menschenmengen, die sich hier scheinbar auch nur für einen Tagesausflug tummeln. Damit könnte man gut Geld machen.

Auf unserem Rückweg holten uns die Wolken wieder ein und wir kamen in einen kurzen Regenschauer. Mit den Wolken wirken die Dolomiten noch dramatischer.

Den Nachmittag und Abend nahmen wir uns dann “frei”: einfach auf der Hütte sitzen und nichts tun. Sich das Essen schmecken lassen, mit anderen Gästen plaudern, in Kletter- und Wanderbüchern stöbern…das tat gut.

Tag 9: Sexten (20km, ↗︎ 1020m & ↘︎ 1860m)

Dann war er da, unser letzter Tag in den Bergen. Von der Zsygmondi Hütte ging es hinunter ins Tal, nach Sexten, unserem Zielort. Man kann hierfür den direkten Weg wählen: etwa 1000 Meter runter. Oder man nimmt noch ein paar Klettersteige mit und dehnt somit den Abstieg noch etwas aus 🙂

Bevor wir überhaupt ans Absteigen dachten, wollten wir noch eine kurze Morgenwanderung machen. Der gestrige Regenschauer hielt uns davon ab, den Klettersteig aus dem ersten Weltkrieg zu erkunden – aber eben den wollten wir uns noch einmal näher anschauen, bevor wir uns von den Dolomiten verabschiedeten. Los ging es:

Ich will mir gar nicht vorstellen, wie die Soldaten hier in den Wintern in diesen kleinen Löchern kauerten und sich gegenseitig bekämpften…

Bei diesem Klettersteig waren wir nicht angeseilt, was ab und zu ein etwas mulmiges Gefühl bei mir aufkommen liess – doch die Aussichten waren wieder einmal fantastisch!

Prima, das wir das noch geschafft hatten – ein Stück Geschichte zum anfassen. Wir umrundeten die Ruinen einmal und stiegen dann wieder ab, zurück zur Hütte, zurück zu unseren Rucksäcken.

Von der Zsygmondi Hütte zogen wir dann los, zunächst einmal bergauf, wo wir einen letzten Klettersteig mitnahmen: den Alpinisteig mit der Überquerung des Elferkofels auf 2500m Höhe.

Auch dieser Weg funktionierte ohne Einhaken – doch an den kritischen Stellen gab es Drahtseile, an denen man sich festhalten konnte.

Zwischendurch gab es ein paar Schneefelder, die wir überqueren durften…

Ein Blick zurück machte uns dann doch deutlich, wie verrückt der Weg eigentlich war: er zog sich wie ein kleines schmales Band direkt am Berg entlang. Wieder einmal hiess es: trittfest bleiben und bloss nicht ausrutschen.

Irgendwann war das schmale Band beendet, vor uns stand noch ein wenig Kraxelei, bis wir dann tatsächlich am Gipfel standen.

Von hier aus konnte man auch Sexten sehen…ganz klein, ganz tief unten im Tal.

So, nun also nur noch knapp 1500 Meter runter…ein Kinderspiel 🙂

So leid es mir auch tat, von den Bergen schon wieder Abschied zu nehmen – es fühlte sich doch gut an, zu wissen, dass man zum letzten Mal diesen verdammten Rucksack auf den Schultern spürt und am Ende des Tages eine richtige Dusche hat!

Ein Blick zurück: runter geht es schneller als rauf 🙂 In weniger als einer Stunde haben wir schon ein ganz schönes Stück hinter uns gebracht.

Jetzt wollte ich nur noch eins: im Tal ankommen. Meinen Rucksack abstellen, ein Bier trinken – und einen tiefen Seufzer der Erleichterung von mir geben. Wir haben heute noch einmal alles mitgenommen, was ging, dieser Klettersteig hat mir noch einen letzten Nervenkitzel gegeben – bin nun bereit, das Abenteuer zu beenden.

Am Nachmittag kamen wir dann auch irgendwann endlich an, an der Fischleinbodenhütte. Hier gab es einen Bier-Stopp. Dort wartete schon ein riesiger Helikopter: was ist denn da los? Wir bekamen durch andere Gäste mit, dass ein Wanderer verunglückt sei – und nun suchten sie ihn schon seit einiger Zeit. Während wir unser Bier tranken, landetet der Helikopter dreimal im Tal…doch sie konnten den Wanderer einfach nicht finden.

Man, es kann so schnell gehen? Man rutscht ab, es wird einem schwindelig bei der Hütte, man vertritt sich den Fuss…und die Berge sind riesig, endlos, da sucht man eine Nadel im Heuhaufen! Hoffentlich finden sie den Verunglückten noch…

Wir hatten von hier noch etwas eine Stunde Wanderung vor uns, bis wir Sexten erreichten. Der Weg war flach und führte durch ein idyllisches Tal – hach, ist das schön.

Und dann, dann hatten wir es endlich geschafft: wir waren an unserem Gasthaus angekommen. Raus aus den stinkenden Klamotten, kalt abduschen und kräftig waschen – und keinen Fuss mehr in diese qualmenden Wanderschuhe. JUCHU, wir haben es geschafft!

Was für eine unglaubliche Tour. Es ist so schwer zu beschreiben, was wir alles erlebt haben – aber diese Fotos sind zumindest eine kleine Zusammenfassung von meinen wichtigsten Erinnerungen. Ich sass nun in unserem Zimmer mit einem lachenden und einem weinenden Auge: einerseits freute ich mich riesig, dass ich diesen verdammten Rucksack nicht mehr schleppen musste und meinem Körper eine Pause gönnen konnte. Andererseits war ich traurig, dass ich nun der Bergwelt schon wieder den Rücken zudrehen musste.

Meine erste Sommerwanderung in den Dolomiten. Es wird nicht meine letzte gewesen sein.

Schön wars!

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