Nach einem etwas holprigen Einstieg ging es nach einer kurzen Nacht (vor allem für Wilson) am Montagmorgen direkt los mit unserer Wandertour. Das heisst: Zunächst mussten wir unser Mietauto abholen. Und obwohl wir bereits vorab riesige Formulare online ausfüllten und man das Auto ja für einen bestimmten Zeitraum reserviert (der Verleiher daher auch weiss, wie viele Personen zur gleichen Zeit ein Auto haben wollen) – das eigentliche Abholen dauert immer noch einmal eine gefühlte Ewigkeit. Diesmal ziemlich genau eine Stunde. Irgendwann hatten wir dann unseren Skoda, ich habe mich auch tapfer gegen jede “upgrades” und “Extras” gewehrt, die einem in letzter Minute noch angedreht werden.
Jetzt konnte es richtig losgehen.
Da wir eine “Halbrundwanderung” geplant hatten (an einem Ort starten, an einem anderen Ort herauskommen), wollten wir unser Auto auf der Mitte der bekannten Vrsic Passstrasse (unserem Zielort) parken, von dort mit dem Bus dann zu unserem Startort fahren.
Der Bus fuhr allerdings nur dreimal am Tag, wir mussten also einen festen Zeitplan einhalten.
Wir hatten uns gerade gut eingegroovt auf der Passstrasse und waren nicht mehr weit von unserem Parkplatz entfernt (und gut in der Zeit), da hielten uns plötzlich Polizisten an: die Passstrasse sei wegen Bauarbeiten bis 17 Uhr gesperrt. Angeblich habe man im Tal ein Schild aufgestellt, um dies jedem mitzuteilen – nur haben nicht nur wir, sondern auch mindestens 50 andere Autofahrer plus jegliche Motorradfahrer irgendwie “übersehen”. Tolle Kommunikation.
Und jetzt?
Improvisation.
Die Hütten für unsere Wanderung waren gebucht, was also tun?
Wir entschlossen uns, “aussenherum”, das hiess über Italien zu unserem Ausgangsort zu fahren. Dann konnten wir unsere Wanderung wie geplant starten – und hatten 4 Tage Zeit uns zu überlegen, wie wir am Ende wieder zu unserem Auto zurückkamen.
Gesagt, getan: Der Umweg über Italien dauerte nur knapp 1,5 Stunden, da blieb uns noch genug Zeit, den ersten Teil der Wanderung zu bewältigen.




Ich war heilfroh, als wir endlich unsere Rucksäcke auf dem Rücken hatten und den Bergen entgegen liefen, das war genug Chaos in den letzten Stunden.
Tag 1: Von Trenta zur Zasavska Hütte
Der erste Wandertag verlief relativ gemütlich: 10 km und 1400 Höhenmeter. Das Wetter war fein, die Gegend wurde immer spektakulärer, je höher wir kamen.










Gegen 18 Uhr erreichten wir unsere Hütte. Der Abend verlief unspektakulär, wir fielen beide ziemlich schnell ins Bett – bzw. ins Massenschlaflager (wo ich diverse Schnarchtöne kennen lernen durfte).
Tag 2: Zur Planica Hütte
Am nächsten Morgen wachten wir bei leichtem Nieselregen auf. Wettervorhersage: bis um 11 Uhr sollte es nieseln, danach dann stärker regnen. Prima. Aber was solls, wir mussten ja zur nächsten Hütte. Ich fand den Nieselregen anfangs auch gar nicht so schlimm…







Uns standen 7 km und knapp 1000 Höhenmeter bevor, also etwas weniger als am ersten Tag – und in meinem Kopf freute ich mich darauf, vor Einbruch des richtigen Regens bereits in der Hütte zu sitzen.
Daraus wurde aber nichts. Zuerst stritten Wilson und ich uns heftig (zu wenig Schlaf?), dann haben wir uns ein wenig verlaufen, und schliesslich startete der Regen so richtig. Clever wie ich bin hatte ich keinen Regenschutz für meinen Rucksack dabei – und als wir dann endlich an unserer Zielhütte ankamen, durfte ich feststellen, dass mein Rucksack und jeglicher Inhalt komplett durchnässt waren. Ich hatte also keine trockenen Sachen mehr. Hinzu kam, dass die Hütte keinen Trockenraum besaß (in vielen Hütten ist es üblich, einen Raum etwas wärmer zu halten, um dort Schuhe oder im Notfall nasse Sachen trocknen zu können). In Wilsons Daunenjacke eingmummelt habe ich dann den Abend über meine Klamotten “trocken getragen”. Alles in allem kein wirklich lustiger Tag.
Tag 3: Triglav Überquerung
Der nächste Tag sah etwas besser aus: zwar bewölkt, aber laut Wettervorhersage sollte es trocken bleiben. Nachdem wir uns wieder in unsere nassen Schuhe gequält hatten, starteten wir dann in den Tag mit besserer Laune. Heute würden wir auf Sloweniens höchstem Berg, den Triglav, steigen. Er liegt auf 2800 Metern Höhe und es führt ein sehr leichter Klettersteig dort hinauf.













Am Gipfel angekommen, wartete die Sonne auf uns: herrlich, das liess mich den gestrigen Tag schnell vergessen. Wir kamen mit einigen anderen Wanderern ins Gespräch. Eine Gruppe erzählte uns, dass zwei Tage vorher 500 Menschen!! Auf den Triglav gestiegen sind – es hätte ausgesehen wie auf den verrückten Mount-Everest-Photos: eine riesige Menschenschlange, die sich auf den kleinen Gipfel heraufschlängelt. Wir waren nur etwa 10 Leute auf dem Gipfel-und darüber war ich sehr froh.
Der Gipfel sollte jedoch nicht der Höhepunkt unserer Tour bleiben. Vor uns lag noch so manches Auf und Ab. Zunächst ging es hinunter vom Gipfel…






…bis wir nach einigen Höhenmeter in einer Art Mondlandschaft standen: sehr schöne Felsformationen mit zahlreichen kleinen Höhlen.






Dann kam ein weiterer Klettersteig, der diesmal um einiges schwieriger werden würde (Klasse C/D). Wir würden 700 Meter in einem ziemlich steilen Gelände nach unten steigen. Dabei hiess Klettersteig jedoch nicht, dass wir die komplette Zeit an einem Seil eingehakt waren – ganz im Gegenteil; zum grössten Teil hiess es hier frei klettern. Mit meiner Höhenangst habe ich da ja immer ein mulmiges Gefühl – aber diesmal ging es ganz prima, ich fand den Abstieg hervorragend!
Vom eigentlichen Abstieg gibt es hier keine Fotos, da ich mich zu sehr konzentrieren musste – aber auf dem letzten Bild seht ihr, wo wir hinuntergeklettert sind (von der Spitze nach ganz unten).
Was man runtersteigt, muss man auch wieder raufsteigen: wir standen nun an einem “Sattel” und mussten wieder einige Höhenmeter gewinnen, um unsere Hütte zu erreichen.






Wir waren wieder gegen 18 Uhr an unserer Hütte – ziemlich kaputti, aber sehr zufrieden. Es war eine tolle, herausfordernde und wunderschöne Wanderung.


Tag 4: Zurück nach Trenta
Nach diesem Highlight mussten wir dann eine Entscheidung treffen: sollten wir unseren letzten Tag wie geplant zum Vrsic Pass fortsetzen – und dann von dort noch einmal 10 Kilometer bis zum Auto laufen? Oder nahmen wir eine Abkürzung und gingen auf direkterem Wege zum Auto?
Wir entschliessen uns für die zweite Option: wir haben viel gesehen, wir hatten tolle Klettersteige – jetzt waren wir bereit, zum Auto zurückzukehren, gemütlich zu unserer nächsten Unterkunft zu gondeln und endlich eine warme Dusche zu geniessen.
Vor uns lagen 1400 Höhenmeter Abstieg ins Tal und etwa 10 Kilometer (also ähnlich wie am ersten Tag). Wir hatten schönsten Sonnenschein und konnten es nun gaaaanz gemütlich nehmen.






Wir kamen gegen Mittag am Auto an – was auch noch (welch ein Glück) unversehrt an seinem Platz stand. Wir haben es einfach an einem kleinen Weg neben der Hauptstrasse abgestellt. Als wir ankamen, war dieser Platz überfüllt mit Autos – wir waren also echte Trendsetter 😀
Damit war unsere kleine Triglav-Expedition zu Ende. Ein wunderschöner Nationalpark. Wir haben viele nette Menschen unterwegs getroffen. Es war zwar nicht sehr voll auf den Wegen, aber die Hütten waren alle jeweils ausgebucht (ohne Reservierung geht hier gar nichts). Das Einzige, was mich gestört hat, waren die fehlenden Trockenräume auf den Hütten. Ich brauche keine Wein- und Bierselektion in den Bergen, auch kein 3-Gänge-Menü – aber einen Ort, wo man sich sammelt und neue Energie für den nächsten Tag findet. Das ist in den Alpen und Dolomiten etwas anders.
Für uns startet von hier nun die eigentliche Erkundung des Landes…und davon mehr im nächsten Beitrag.







