Nach meinem gescheiterten Versuch, den Watzmann zu überqueren, habe ich mir ein neues Wanderziel gesteckt, diesmal ohne den Alpenverein auf eigene Faust. Allerdings nicht ohne mir vorher Tipps von den “Experten” zu holen: Der Alpenclub hier in München hat ein kleines Büro direkt im Globetrotter (strategisch sehr effektiv :)), wo man sich Tipps für Wanderungen abholen und auch Material leihen kann (zum Beispiel Steigeisen oder Wanderstöcke). Finde ich richtig prima!
Nun, ich hatte mich für eine Wanderung zur Karwendelspitze entschieden. Und um noch ein wenig “umff” einzubauen, wollte ich den Höhenweg gehen – etwas mehr “kraxeln” als wandern.
Los ging es mit dem Zug von München bis nach Mittenwald. Das funktioniert eigentlich prima, sind nur etwas mehr als zwei Stunden vom Hauptbahnhof.
In Mittenwald ist man dann gefühlt schon ziemlich in den Bergen – eigentlich am “Tor des Karwendels”, richtig schön.



Der Weg startete zunächst ziemlich gemütlich: Es ging hinauf durch den Wald, wo man immer wieder einen tollen Blick auf Mittenwald auf der einen Seite, auf das Karwendelgebirge auf der anderen Seite hatte.






Nach etwa 500 Höhenmetern kam ich an der ersten Hütte vorbei, der Mittenwald-Hütte. Für eine Pause war es jedoch noch viel zu früh – aber der Blick von hier oben war prima.





Ab hier startete dann der herausfordernde Teile der Wanderung, der eigentliche Höhenweg. Einen Helm hatte ich vorsichtshalber eingepackt, und der kam hier auch zum Einsatz – denn was mir nicht so ganz bewusst war: der Weg ging tatsächlich direkt am Berg entlang und raufi. Also, “Weg” ist auch etwas übertrieben formuliert – auf den Fotos seht ihr so einen ganz kleinen schmalen Streifen. Das ist der “Weg”. Und da ringsherum nur Felsen sind, und Felsen ja bekanntlich immer bröckeliger wird, ist es nicht ganz dumm, einen Helm aufzusetzen.
Auf Fotos ist das immer etwas schwierig darzustellen – aber diese Wanderung hat mich und meine Höhenangst dann doch ein wenig gefordert. So clever war es vermutlich doch nicht, diesen Weg alleine zu gehen. Allerdings führte die Strecke direkt unterhalb der Gondel entlang (ja, der bequeme Weg ist, in Mittenwald sich einfach in die Gondel zu setzen und 10 Minuten später auf 2200 Metern auszusteigen :D), also komplett unbemerkt wäre ein Unfall wohl nicht geblieben.
Ist aber ja nichts passiert und alles gut gegangen, während ich mir innerlich 500 Höhenmeter immer wieder gut zuredete 😉






Der Vorteil von Höhenangst: sie hilft einem, enorm schnell zu sein :D. Ich war nach insgesamt 3 Stunden schon auf dem Gipfel (bei insgesamt 1400 Höhenmetern). Oben wurde ich dann von einem älteren Ehepaar begeistert empfangen: “Wir haben Sie die ganze Zeit beobachtet – sind Sie aber schnell, Sie machen das bestimmt ständig!” Ha, gaaaanz genau 😉
Der letzte Anstieg zum Gipfelkreuz:









Danach habe ich mir aber erstmal eine Auszeit auf der Hütte gegönnt: wie gut, dass es in Europa überall so tolle Einkehrmöglichkeiten beim Wandern gibt, da muss man kaum Verpflegung mitnehmen 😀 Ich habe mir zur Feier des Tages einen Germknödel gegönnt (den hatte ich schon seit Jahrhunderten nicht mehr) – der war allerdings riiiiiiiieeeeesig und selbst bei meinem Hunger nicht zu schaffen. Was ich dann auch noch gelernt habe: die Karwendel-Hütte ist gleichzeitig die höchstgelegene Brauerei (in Deutschland?).




Für den Rückweg habe ich einen andere Strecke gewählt (durch den krassen Felsen wollte ich nicht wieder runterklettern, ist ja viel gruseliger beim Abstieg). Zunächst ging es durch einen langen Tunnel einmal unter der Karwendelspitze hindurch bis zu Deutschlands längster Freeride-Ski-Abfahrt (die Dammkar-Abfahrt, 7km und 1300 Höhenmeter).






Auf Skiern ist die Tour auch bestimmt noch einmal spassiger als im Sommer zu Fuss – hier gabs nämlich nur loses Geröll, was ich nun für eine gefühlte Ewigkeit hinunter”rutschen” durfte.





Aber irgendwann war auch das geschafft, und ich bin wieder heil in Mittenwald angekommen. Mit dem Zug ging es wieder gemütlich zurück nach München.
Was für ein Erlebnis. Berge sind eben doch nicht gleich Berge. Jedes Gebirge ist etwas anders, daher sind auch alle Strecken mit ihren Schwierigkeitsstufen wieder anders. Diese Tour war top! Würde ich jederzeit wieder machen – aber dann in Begleitung (für den Fall der Fälle). Herrlich!





