Nächster Stop: München. Hier werde ich nun eine Weile sein.

Wieso München? Es gibt gerade zwei grosse “Sehnsüchte” (oder Löcher?) in meinem Leben: Heimat und Berge.

Die Suche nach einer “Heimat” oder einem zu Hause währt ja nun schon lange. Und ja, ich bin mittlerweile (nach über 10 Jahren) ganz gut in Vancouver angekommen. Dort habe ich mir ein gutes Leben aufgebaut und dort gibt es ganz viel Schönes. Aber es ist nicht mein “zu Hause” und schon gar nicht “Heimat”. Aber wo ist schon zu Hause? Die meisten, mit denen ich darüber rede, machen Heimat an den Menschen fest “Heimat ist dort, wo du deine Freunde hast, die “richtigen” Leute.” Letztlich ist Heimat doch ein Gefühl. Vancouver fühlt sich nicht nach Heimat an – aber was dann? Ganz sicher nicht Ehlhalten. Und wenn es gar kein Ort ist, sondern die Menschen – dann ist Heimat überall ein bisschen, denn ich kenne so viele lieben Menschen überall auf der Welt verstreut

Und dann sind da die Berge. Woher diese Sehnsucht (Betonung vielleicht etwas mehr auf Sucht als Sehn?) kommt, weiss ich bis heute nicht. Ich will nicht im Flachland leben, ich brauche Herausforderungen um mich herum.

Die Suche nach einem Gefühl und die Sucht nach Bergen hat mich eben nach München geführt. Meine Idee war: hier bin ich nah an den Bergen, hier sitzen zahlreiche Firmen, auch viele internationale – prima zum Networken – hier kenne ich auch einige Menschen (aus Schulzeit, Studienzeit und Berufsleben) und in einer Stadt hat man zahlreiche Möglichkeiten für Fortbewegungsmittel (Fahrradverleih, öffentliche Verkehrsmittel, Autoverleih…).

Also München.

Eine Stadt, die mich nie besonders gereizt hat. Und ich muss sagen nach einer Woche finde ich es bisher noch immer nicht so prall hier.

Aber der Reihe nach.

Von Neustadt ging es problemlos mit dem Zug nach München, wo ich ein nettes Airbnb gefunden hatte: ein Zimmer bei einer “älteren” Dame. Klang gut. Ich wurde herzlich von meiner Vermieterin begrüsst – die mir dann auch sofort erklärte, dass sie am nächsten Tag wieder zu ihrem Freund nach Augsburg fahren würde, ich die Wohnung also für mich alleine hätte. Primaballerina! Jetzt sitze ich hier in einer schönen Altbauwohnung nicht sehr weit von der Isar entfernt und etwa 20 Minuten Fussweg zur Innenstadt – also quasi: perfekt 😀

Meine erste Woche hier in München sah dann etwa so aus: morgens startete ich den Tag jeweils mit einer Joggingrunde an der Isar entlang (so kann man am besten die Gegend erkunden). Dann wird gearbeitet (ich arbeite momentan mit einem Team, dass in Deutschland bzw. der Schweiz sitzt, einem anderen Team in Toronto und einem dritten Team in San Francisco – Zeitzonenchaos!), in der Regel bis 19/ 20 Uhr (die letzten Meetings mit der Westküste in Amerika. Kochen, relaxen, schlafen.

Ich hab mir auch direkt am ersten Tag über Facebook ein gebrauchtes Fahrrad ergattert. Ehrlich gesagt will ich nicht so genau wissen, wo dieses Rad ursprünglich herkommt – aber es funktioniert ziemlich gut, ich habe sehr, sehr wenig dafür bezahlt und kann mich jetzt bestens durch die Stadt bewegen. Ich habe sogar schon zwei längere Radtouren unternommen, die längste jetzt am Wochenende (55km bis zum Starnberger See und zurück – nicht schlecht für ein schrotteliges Fahrrad :D).

Ich habe auch schon Steffi, meine Schulfreundin, die vor einigen Monaten in Vancouver war, getroffen und mit ihr und ihrer Familie einen supernetten Abend verbracht

Am Wochenende ist das Wetter dummerweise umgeschlagen: es gab kräftige Gewitter und sehr wenig Sonnenschein. Perfekt, um sich mal die Innenstadt anzuschauen habe ich mir gedacht. Da war ich allerdings nicht die Einzige: die Stadt war rummelvoll, gar nicht schön. Ich habe es bis zum Oktoberfest-Bier-Museum geschafft (und wieder jede Menge über Bier gelernt), das war es dann aber auch.

Am Sonntag wollte ich eigentlich in die Berge – aber eben: kein tolles Wetter. Bin dann “nur” mit dem Zug zum Tegernsee gefahren (eine Stunde Bahnfahrt) und habe dort eine kleine Rundwanderung gemacht: 18km und 1000 Höhenmeter. Ich bin zwar im Trockenen gestartet – aber natürlich fing es direkt auf dem höchsten Punkt dieser Tour (also dem Ort mit der eigentlich besten Aussicht) an zu regnen. Nein: zu schütten. Die nächsten zwei Stunden waren ein stetes “on and off” des himmlischen Wasserhahns und endete mit einem Wahnsinns-Regenguss genau 10 Minuten, bevor ich den Bahnhof wieder erreichte. Ergebnis: komplett durchnässt. Aber immerhin war es nicht kalt 😀

Das war sie also, meine erste Woche in München.

Was ich bisher für mich gelernt habe:

  • Arbeiten für meine Kunden in Nordamerika funktioniert eigentlich auch ganz prima von Deutschland aus.
  • Städte sind eigentlich viel anonymer als kleine Ortschaften (ist schwer hier, mit Fremden in Kontakt zu kommen – war in Neustadt viel einfacher).
  • Deutsche Supermärkte sind klasse! 🙂
  • In Deutschland gibt es aber auch echt viele Regularien und sture “Korinthenkacker”, vieles fühlt sich tatsächlich strikter und eingeengter an als in Kanada – hatte ich total verdrängt.
  • Endlich wieder deutschen Humor (auch wenn die Kanadier behaupten, dass es so etwas nicht gibt). Vielleicht sollte ich auch besser sagen: ein sofortiges gegenseitiges Verstehen.
  • Deutsche können feiern!
  • So nah liegt München dann auch wieder nicht an den Bergen 😉

Bin ja noch eine Weile hier, da wird sich sicher noch die ein oder andere Geschichte und Weisheit ergeben…

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