Zurück von einem “once in a lifetime trip”: Wilson und ich haben uns einen langersehnten Traum erfüllt und waren 2 Wochen in Japan – einerseits zum Skifahren, andererseits, damit Wilson mit mir seine Kindheitserinnerungen teilen konnte. Er hat 2,5 Jahre als Jugendlicher mit seinen Eltern in Tokyo gelebt und liebt das Land.

Wir hatten eine unglaublich tolle Zeit, jede Menge Schnee und spannende Eindrücke von der japanischen Kultur. Es war allerdings auch (wie so oft, wenn ich mit Wilson verreise) sehr vollgepackt, was meinen Vorstellungen von Urlaub nicht wirklich entspricht. Aber es gab so viel zu sehen… 🙂

Von Vancouver hatten wir einen Direktflug nach Tokyo. Der Flug ist etwa so lang wie nach Frankfurt, etwa 9 Stunden, einfach nur in die andere Richtung. Die Zeitverschiebung ist daher auch eine ganz andere – Japan liegt 17 Stunden in der Zukunft (von Vancouver aus betrachtet).

Der Flug verlief reibungslos – inklusive Skitransport; kam alles heil an :).

In Tokyo angekommen, fuhren wir dann mit dem Zug zu unserem Hotel (etwas südlich vom “Hauptzentrum” in Gotanda). Ich war sehr positiv überrascht von allem: Tokyo ist ja eine riesige Stadt, mit 14 Millionen Einwohnern im Zentrum, und ca. 40 Millionen Einwohnern, wenn man die Einzugsgebiete miteinbezieht. Das ist die Hälfte der Gesamtbevölkerung Deutschlands! Was bedeutet: ja, es ist voll – in den Zügen, auf den Strassen – aber es ist dafür extrem ruhig und sehr geordnet.

In den Zügen zum Beispiel wird nicht geredet (wenn man jemanden hört, dann sind das immer Touristen). Auf den Bahnhöfen gibt es aufgezeichnete Felder, auf denen man steht, um eine ordentliche Warteschlange zu bilden. Und auf den Strassen wird nicht gehubt, der Verkehr ist überwiegend elektrisch, was es insgesamt sehr ruhig macht. Ich war total verblüfft, hatte ich doch ein überwältigendes Großstadtchaos erwartet.

Hier mal ein paar Eindrücke vom öffentlichen Verkehr (war anfangs eine ziemliche Herausforderung, die Orientierung zu gewinnen :D).

Nach unserer ersten kurzen Nacht (Hallo Jetlag) hat mir Wilson dann seine Tokyo Highlights gezeigt: Wir haben am Fischmarkt gestartet. Hier wird leider kein Fisch mehr gehandelt (der Teil ist in ein Industriegebiet ausgelagert worden und ist für Touristen nicht zugänglich. Wäre spannend gewesen, die riesigen Thunfische, die in Auktionen verkauft werden, zu sehen); stattdessen ist der Markt eine Touristenattraktion mit jede Menge Markt- und Essensständen, wo man überteuerte Köstlichkeiten kaufen kann.

Vom Fischmarkt aus sind wir zum “Imperial Palace”, also dem Kaiserpalast gelaufen (ja, Japan hat noch immer einen Kaiser, war mir nicht bewusst). Vom Palast haben wir allerdings so gut wie Nichts gesehen. Dort kommt man nur mit einer offiziellen Führung hinein, und die werden nur sehr selten angeboten. Stattdessen sind wir durch den angrenzenden Garten gelaufen (ein beliebter Ort für Jogger) und haben die Kontraste von Alt und Neu bestaunt.

Hier noch ein paar Eindrücke von “unterwegs”: Natürlich gibt es jede Menge Hochhäuser in Tokyo, aber es gibt auch sehr viele niedrige Gebäude zwischendrin, was die Stadt sehr entspannt wirken lässt (man kann noch immer die Sonne sehen :D). Wie so viele Städte, wurde Tokyo im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört – es gibt also nicht mehr viel “Originales”, doch einige der alten Gebäude wurden wieder nachgebaut.

Als nächsten Stop hat Wilson mir seine alte Wohngegend gezeigt. Mittlerweile ist dieses Vierteil ein Diplomatenviertel – seine alte Wohnung lag direkt gegenüber vom neuen “Europa-Haus” und nicht weit von der Deutschen Botschaft.

Und weiter ging es mit meiner Einführungstour: nächster Halt war das Internationale Kunstmuseum. Nicht, um eine Ausstellung zu sehen, sondern um die Architektur zu bewundern: Es ist ein wirklich beeindruckendes Gebäude.

Nicht weit vom Museum entfernt stand ein Aussichtsturm, von dem man aus dem 52. Stock einen 360-Grad-Blick auf die Stadt hatte. Hier erkennt man erst die Grösse dieser beeindruckenden Stadt – Wahnsinn, und alles läuft scheinbar so perfekt organisiert ab!

Am Abend musste ich dann meine letzte Energie zusammensuchen, um mit Wilson’s Tempo mitzuhalten: er wollte mir unbedingt Shibuya zeigen, Tokyo’s “Partyviertel” mit der berühmten “Shibuya Crossing“, einer der meistfrequentierten Fussgängerüberquerungen weltweit.

Am nächsten Tag sind wir dann etwas ruhiger gestartet – erstmal einen gemütlichen Kaffee und Frühstück in einem kleinen Cafe in der Nähe von unserem ruhigen Hotel – aaaah, das tat gut.

Anschliessend gab es noch mehr Kultur: zuerst ging es zu einem Shinto-Schrein, wo heweils ein oder mehrere Götter verehrt werden. Shinto ist keine einheitliche Religion – daher gibt es zahlreiche Schreine in der Stadt (in ganz Japan sind es bis zu 100.000). Einige davin sind ganz klein dun tauchen manchmal wie ein kleines Gartenhaus mitten in der Stadt auf. Andere sind grösser und liegen in einer Art Park.

Typisch für die Schreine ist ein grosses Haupttor, durch das man das Areal betritt. Dahinter liegen oft mehrere Gebäude (Zeremoniehallen, Gebetshallen, Verwaltungsgebäude). Auf dem Areal leben oftmals Priester. Für Besucher gibt es die Möglichkeiten, “gute Wünsche” zu kaufen (hab nicht so ganz verstanden, wie das funktioniert – aber das Prinzip scheint so wie in allen Religionen: gib mir Geld und ich heile deine Seele :)).

Als zweiten spirituellen Ort hat mir Wilson dann Senso-ji gezeigt, ein buddhistischer Tempel (ebenfalls in einer riesigen Parkanlage und ein Touristenhotspot).

Danach ging es zu Tokyos Technik-Zentrum – Akihabara (wird auch “Electric Town” genannt). Hier reiht sich ein Elektro-Geschäft an das andere, oftmals 10 Stockwerke hoch. Wir hatten eigentlich auf günstige Angebote von japanischen Herstellern gehofft, waren aber von den Preisen enttäuscht (Tokyo ist insgesamt einfach echt teuer).

So, das waren sie erstmal, meine ersten Eindrücke nach 48 Stunden in Tokyo.

Von hier aus geht es für uns nun weiter nach Nagano, um dort verschiedene Skigebiete zu erkunden – doch davon mehr im nächsten Beitrag.

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