Von Tokyo aus haben wir den Schnellzug nach Nagano genommen, den berühmten “bullet train”, der eine Spitzengeschwindigkeit von 320 km/h erreichen kann. Ich fand da allerdings keinen grossen Unterschied zum ICE.
Mit dem Zug ist man von Tokyo aus ruckzuck in Nagano, man braucht nur 1.5 Stunden. Unsere Skier hatten wir zum Glück bereits vom Flughafen aus zu unserem Hotel nach Nagano verschickt (in Japan gibt es einen tollen Lieferservice, der grössere Gepäckstücke innerhalb von 1-2 Tagen transportiert, weil sonstbei denm Skitourismus jeder Zug sofort verstopft wäre :D).
In Nagano selbst haben wir uns ein Auto gemietet, damit wir von hier aus in den nächsten Tagen die verschiedenen Skigebiete erkunden konnten. Ich war zunächst etwas skeptisch wegen des Linksverkehrs – aber das war überhaupt kein Problem. Zumindest nicht in den ruhigeren Gegenden rund um Nagano 🙂
Nach unserer Ankunft haben wir uns auch gleich unser Auto geschnappt und sind zum bekannten “Affenpark” gefahren: Da Japan ja eine vulkanische Insel ist, gibt es hier, ähnlich wie in Island, jede Menge heiße Quellen. In der Nähe von Nagano gibt es nun einen Ort mit heissen Quellen, den sich die Makaken-Affen unter den Nagel gerissen haben. Hier tummeln sich zahlreiche Affenfamilien im Schnee, wenn es zu kalt wird, hüpfen sie kurz ins warme Wasser.
Als super Touristenattraktion kann man auch mit den Affen baden – aber so weit mussten wir dann nicht gehen. Ich fand es lustiger, die Affenbanden zu beobachten.









Vom Affenpark aus fuhren wir dann weiter zu einem kleinen Skiort, Nozawaonsen. Ich hatte im Vorfeld viel über diesen Ort gelesen und so eine schöne, romantisch-gemütliche Vorstellung von dem Ort. Und der Ort ist auch gemütlich – aber auch seeeeeehr touristisch. Er wirkt wie eine Kopie von einem kleinen Alpendorf mit Fachwerkhäusern, engen Gassen und Kopfsteinpflaster. Und dazu jede Menge Australier. Die Restaurants waren voll, in die wenigen authentisch wirkenden Lokale kam man nicht rein (man hatte hier scheinbar auch die Nase voll von zu viel Tourismus), und die restlichen Optionen waren teuer und ohne Ambiente.
Wioson wollte mir hier nun meine erste Onsen-Erfahrung geben.
Onsen sind japanische heiße Bäder, die sich aus natürlichen Quellen speisen und daher reich an Mineralstoffen sind. In der japanischen Kultur nutzt man diese Bäder als eine Art Kurbad. Dazu gibt es jedoch feste Regeln: die Bäder sind geschlechtspezifisch getrennt, gebadet wird komplett nackt, und bevor man in eine heiße Quelle springt (und die sind richtig heiß – zwischen 38 und 42 Grad!), muss man sich vorher im Sitzen waschen (mit Seife).
Von alledem wusste ich jedoch nichts, als ich in mein erstes Onsen lief. Wilson wollte mir ein kurzes Einführungsvideo auf YouTube zeigen – aber ich war viel zu hungrig und müde als dass ich jetzt erst noch ein Erklärvideo für eine Badeanstalt ansehen wollte. So schwer kann das ja nicht sein.
Tja, und dann machte ich alles falsch, was man falsch machen konnte: Ich zog mir einen Bikini an – wurde dann aber sofort auf Japanisch beschimpft, als ich versuchte, damit ins Wasser zu steigen. Es hat etwas gebraucht, bis ich verstand, dass man nur nackt badet. Seife hatte ich auch keine dabei, konnte mich also nur mässig waschen. Und dann wählte ich von den zwei Becken das leerere aus – und musste mich ganz schön zusammennehmen, um nicht laut aufzuschreien; es kam mir vor, als ob ich gekocht wurde. Bis ich dann herausfand, dass es ein weniger heißes Becken gab, in dem man starten sollte und daher auch die meisten Leute saßen :D.
Man kann hier meine Begeisterung nach meinem ersten Onsen-Besuch sehen 😀





Nach diesen ersten Eindrücken von Nagano ging es am nächsten Tag dann endlich zum Skifahren, dem eigentlichen Grund für unsere Japan-Reise. Ich hatte so viel von dem “Japan-Pow” gehört, dass meine Erwartungen ziemlich hoch waren. Um es vorwegzunehmen: Der Schnee war super, wir hatten jede Menge Spaß – aber diese riesigen Mengen an Pulverschnee, die man auf Social Media in jedem Japan-Video sieht, hatten wir nicht so. Wilson würde dem vermutlich widersprechen.
Aber der Reihe nach: am ersten Tag fuhren wir in die Gegend von Myoko. Wir hatten ziemlich gutes Wetter und viel mehr Schnee als in Kanada – also: super happy.









Nachdem wir mit einem ortsansässigen Pärchen (er aus Kanada, sie aus Japan) geplaudert hatten und Insider-Tips bekamen, haben wir uns spontan für eine kleine Skitour entschlossen. Und dies würde zu meinen besten Skierlebnissen in Japan führen: wir stiegen rauf zu einer Art Kraterrand und fanden hier den besten, zum grössten Teil unberrührten Tiefschnee. Mit uns kamen auch einige geführte Skigruppen hierher – wir hatten also durch Zufall einen “Geheimtipp” gefunden, waren zum Glück noch rechtzeitig hier, bevor alles abgefahren war. Super!!















Was für ein genialer erster Tag. Ich war extrem happy, aber auch extrem k.o.
Am nächsten Tag probierten wir ein anderes Skigebiet aus. Es hatte über Nacht geschneit, so dass heute frischer Schnee auf uns wartete.
Die Gebiete sind hier alle nicht besonders gross, die meisten haben nur etwa 4-6 Lifte. Aber fast jedes Gebiet hat eine ziemlich grosse “Spielwiese” an für “tree skiing”, also Skifahren durch Bäume, neben den eigentlichen Pisten. Wilson konnte hiervon nicht genug bekommen, daher war kein Skigebiet für uns zu klein. Ich tat mich etwas schwerer mit dem tree skiing und auch mit dem schweren Pulverschnee – meine Beine brannten immer schon nach wenigen Minuten (zu starke Rückenlage).
An unserem zweiten Skitag war ich leider überhaupt nicht gut drauf: ich hatte noch immer keinen Schlafrhythmus gefunden, meine Beine waren extrem schwer vom ersten Tag – und Wilson konnte sich kaum halten und jagte mich einen Abfahrt nach der anderen runter. An dem Tag fühlte sich alles nur schwer und frustrierend für mich an (neben Wilson komme ich mir immer wie ein kompletter Skianfänger vor).










Als Aufmunterung suchten wir uns am Abend dann eine nette Sushi-Bar aus – unser erstes Sushi in Japan! In Vancouver haben wir ja zahlreiche Sushi-Optionen (und richtig gute) – aber ja, hier in Japan schmeckte es doch noch mal eine Spur frischer und interessanter.



Am dritten Skitag in Nagano hatten wir herrliches Sonnenwetter, dafür etwas weniger Pulverschnee. Wir nahmen es heute beide gemütlich, was meine Stimmung drastisch verbesserte 😀
Alles in allem fand ich die Umgebung rund um Nagano klasse. Innerhalb von 1,5 bis 2,5 Stunden Autofahrt kann man hier locker zwischen 15 und 20 Skigebieten auswählen. Hinzu kommen noch zahlreiche Skitouren-Optionen. Unser Plan, Nagano als Ausgangspunkt zu wählen und dann verschiedene Skigebiete zu erkunden, ist richtig gut aufgegangen und würde ich wieder so machen.
Am nächsten Tag sollte es für uns dann zurück nach Tokio gehen, bevor wir uns auf den Weg zur Nordinsel Hokkaido machen. Die kurze Unterbrechung in Tokio ermöglichte es uns, unsere Skier wieder vorausschicken zu lassen.
Doch vor unserer Abfahrt verbrachten wir noch einige Stunden in Nagano – von dem Ort hatten wir bei all dem Skifahren bisher nur wenig gesehen. Es gibt hier eine kleine, aber feine “Altstadt”. Am beeindruckendsten ist allerdings der Tempel, der über der Stadt auf einer Anhöhe thront.











Weiter geht es mit Tokio Teil 2 – im nächsten Beitrag 🙂














