Den Takt verlieren – so fühle ich mich, wenn mal wieder alles aus den Fugen gerät.

Wenn der Zeiger der Uhr sich wieder einmal vorgenommen hat, einen Marathon zu laufen und alles pl̦tzlich nur noch an mir vorbeirauscht Рschwupps, schon wieder ein Tag vorbei.

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Wenn ich dabei bin, eine Aufgabe zu beenden, den Weg vor mir sehe – aber immer wieder in tiefe Schlaglöcher gerate, weil es ständige Unterbrechungen gibt.

Wenn Kommunikation auf zu vielen Kanälen parallel abläuft und dort eine neue Email hereinkommt, gleichzeitig mein Chat-Icon aufgeregt am Rand meines Computer-Bildschirms auf und ab hüpft, weil ein Kollege eine wichtige Frage stellt, das Telefon klingelt, meine Kollegin vom Platz gegenüber mir eine Frage zu einem Projekt hinüberruft und nur wenige Sekunden später auf meinem Bildschirm die Erinnerung an das nächste Meeting aufblinkt.

Wenn jede weisse Stelle meines Terminkalenders mit bunten Farben gefüllt ist und ich wie in einer von Massenpanik gepackten Menschenmenge stets weiter nach vorne getrieben werde und alles so dicht gedrängt ist, dass ich mich noch nicht einmal umdrehen und einen Blick zurückwerfen kann.

Wo bleibt da die Muse, die Ruhe, die Zeit zum nachdenken? Kein Wunder, dass vor allem in den Städten Yoga-Schulen wie Pilze aus dem Boden wachsen. (Wie sagte doch mein Yoga-Lehrer hier in Toronto vor kurzem: “Diese Schule soll einen Ort der Stille darstellen, um wenigstens für eine kurze Zeit dem Grossstadtlärm und der Hektik zu entfliehen.” Dort sind wir also schon, dass wir extra “Schulen” bauen, um Ruhe zu finden…). Und auch Blogs und Webseiten zum Thema “Simplify your Life” und “Meditation für Beginner” finden sich haufenweise im Internet.

Wir müssen angeleitet werden, zum anhalten und durchatmen. Damit mir von unserem Laufband herunterkommen. Dabei liegt es in unserer Hand, auf den roten Stopp-Knopf zu drücken und das Laufband zum Stillstand zu bringen.

Wirklich leicht fällt mir das nicht, weil die Welt so kunterbunt ist und es so viel zu entdecken gibt – wie könnte ich da einfach still stehen? 🙂

Gleichzeitig weiss ich aber, dass ich den Stillstand zwischendurch brauche, das Umherschauen, das Durchatmen, um wieder meinen Rhythmus zu spüren. Um mich zu spüren. Und solche Momente lassen sich überall finden. Es geht nur darum, aktiv auf den Knopf zu drücken und für einen Moment anzuhalten.

Oder sich bewusst in monotone Situationen zu begeben. Das sind für mich zum Beispiel meine morgendlichen Yoga-Übungen, die sich aus wiederholenden Bewegungsabläufen zusammensetzen. Oder das Joggen, wo ich schnell in eine Art Trance gerate und alles um mich herum vergessen kann.

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Meine erste Trommel Session

Oder mein neustes Erlebnis: das Trommeln. In dem kleinen Öko-Laden um die Ecke gab es gestern eine “Drum-Session”: wir waren insgesamt etwa 10 Leute und haben uns alle das erste Mal ans Trommeln herangewagt. Das war ein tolles Training für “Achtsamkeit”: sich wieder einmal der Hände bewusst werden, den einzelnen Teilen einer Hand – und wie man je nach Haltung und Handbereich unterschiedliche Töne erzeugen kann.

Bevor wir mit dem Trommeln anfingen, haben wir uns alle mit dem Instrument vertraut gemacht – der Grösse der Trommel, der Oberfläche und ihrer unterschiedlichen Bereiche.

Anschliessend haben wir die “Sprache des Trommelns” gelernt: mit einer Trommel lassen sich unterschiedliche Töne erzeugen, die man wiederum in Sprache übersetzen kann, um so den Rhythmus zu definieren (duuh, da-da-da, da, daaa, da-da-da).

Und schliesslich das Trommeln selbst: den Rhythmus finden, gemeinsam in der Gruppe einen Rhythmus erzeugen, auf den Rhythmus reagieren, antworten – oder sich einfach treiben lassen.

Herrlich. Ein unglaublich schönes Erlebnis. Hat mich wieder zu mir zurückgebracht – und mir einen neuen Rhythmus mitgegeben.

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