4 Wochen Indien, und noch immer fällt es mir schwer, meine Eindrücke zu beschreiben und mein bisheriges Bild von Indien festzuhalten. Ich bin mir sicher, dass ich hier in Auroville eine sehr seltene Seite von Indien kennen lerne, eine ruhigere, aufgeräumtere und westlich-orientiertere als es in vielen anderen Gegenden von Indien der Fall ist.
Ein paar von den indischen Eigenarten, die ich bisher miterlebt habe:
Religion
Ich weiss noch viel zu wenig über den Hinduismus und er scheint so vielfältig zu sein wie die indischen Sprachen. Es gibt so viele unterschiedliche Götter in dieser Religion und dementsprechend unendlich viele Tempel an jeder Ecke. In den grösseren Tempeln kann man gleich mehreren Göttern auf einmal huldigen, jeder Gott hat aber auch seinen eigenen Tempel, besonders beliebt scheint der Gott Ganesh (der mit dem Elefantenkopf) zu sein. In der Nähe von unserem Haus gibt es auch einen kleinen Tempel – und jeden Morgen beginnt ab 5 Uhr dort indische Dudelmusik, einfach weil. Furchtbar. Die Tempel selber sagen mir auch nicht wirklich zu, sie sind recht übertrieben geschmückt und kitschig verziert. Nun: indische Kunst.




Strassenverkehr & Transport
Der Strassenverkehr in Indien ist einzigartig. Ich bin immer wieder fasziniert wie die Inder es schaffen, eine zweispurige Strasse in eine vierspurige zu verwandeln und dazwischen auch noch Motorräder zu zwängen. Jeder fährt hier so, wie er möchte, man überholt sich ständig, weicht sich aber auch genauso geschickt aus. Dabei behalten die Inder eine absolute Ruhe, bisher habe ich noch keinen Unfall gesehen und alle scheinen hier trotz Chaos unheimlich gelassen zu sein.
Transportiert wird hier auf jedem Gefährt: eine Vespa oder Motorrad wird gerne vollgestopft, mit Türen und langen Brettern beladen, Fahrräder sind hier zu Mini-Kutschen umgebaut und natürlich darf man die TukTuks nicht vergessen.



Strand & Meer
Pondicherry, die nächstgelegene Stadt zu Auroville, liegt direkt am Meer – und das klang für mich anfangs so paradiesisch, traumhaft. Ein perfekter Ort fürs Surfen dachte ich. Aber das Leben hier sieht ganz anders aus.
Die Strände sind extrem verschmutzt, Müll wird überall abgeladen hier in Indien, und Strände sind da keine Ausnahme. Dazwischen liegen die Fischerboote, wovon noch immer viele Menschen hier zu leben scheinen. Ich habe hier allerdings noch keine Fischmahlzeit gesehen, Fisch gehört nicht wirklich zur indischen Küche. Die Fischer hier fangen überwiegend Müll, der dann weiterverkauft wird. Verrückt, oder?




Eine sehr bewegende Szene erlebten wir bei einem unsere morgendlichen Radtouren zum Strand. Mingh, ein Mädel aus unserer Gruppe, fand einen Krebs am Strand, gefangen und verwickelt in einem Fischernetz. Von den Fischern wurde er nicht beachtet, Krebse sind hier nicht beliebt. Mingh versucht ihn aus dem Netz zu befreien – doch ohne scharfen Gegenstand, um das Netz zu durchchneiden, war das fast unmöglich. Dann kam ein indischer Fischer vorbei. Zuerst beäugte er uns skeptisch, doch dann setzte er sich zu uns uns und half, den Krebs zu retten. Tolles Teamwork, dass da entstand.


Indische Strassenkunst
Wenn hier nicht gerade Regen herrscht, kann man vor fast jeder Haustür die Kolams bewundern, symmetrische Bilder aus Reispulver. Sie sollen verhindern, dass negative Energien in das Haus gelangen.
Wir haben mit unserer Gruppe einen Einführungskurs für Kolams mitgemacht – und dabei gelernt, wie schwierig es ist, diese wunderschönen Bilder zu erstellen. Das Pulver wird vorsichtig mit den Fingerspitzen auf den Boden gestreut – und dabei sollen gleichmässige Linien und Kurven herauskommen. Nicht so bei mir 🙂 Weil diese Strassenkunst viel Ãœbung braucht, beginnen die Inder hier bereits mit 12 Jahren, diese Kunst zu lernen.




Auf den Strassen von Indien
Geht man durch die Strassen hier in Pondicherry, dann sieht man an jeder Ecke Obststände, vor allem Bananen-Wagen. Hier habe ich auch zum ersten Mal rote Bananen kennen gelernt! Papayas sind hier auch voll im Trend.

Und auch sonst sind die Strassen hier extrem bunt, hektisch, vollgestopft und spannend, manchmal aber auch einfach nur anstrengend.


Und mit diesen Eindrücken kratze ich noch immer nur an der Oberfläche. Aber es ist ein Anfang, ein Versuch zu beschreiben, was wir hier tagtäglich erleben.