Kaum habe ich meinen kanadischen Pass, da kann ich ihn auch schon bestens einsetzen: ich habe an meiner ersten Wahl in Kanada teilgenommen. In Vancouver wurde am Wochenende ein neuer Bürgermeister gewählt. Dies war zugleich meine erste Bürgermeisterwahl überhaupt!

Dazu gab es einen waaaaaahnsinnig langen Zettel auf dem man von 137 Kandidaten einen BĂĽrgermeister, 10 Stadträte, 7 Vorstände fĂĽr Parks und 9 Schulverwalter wählen konnte. (Ja, totaler Wahnsinn wofĂĽr man hier so wählt – hat mich auch ziemlich ĂĽberfordert).

Jedenfalls habe ich meine Kreuzchen richtig gesetzt, denn meine Wahl wurde tatsächlich der neue Bürgermeister! Fühlt sich schon gut an, wenn man Einfluss haben kann 🙂

Was das Ergebnis fĂĽr Vancouver bedeutet, wird sich nun noch zeigen mĂĽssen. Unser derzeitiger BĂĽrgermeister hat leider nicht viel bewegt. Der Neue klingt recht vielversprechend (doch das tun sie ja alle am Anfang).

Die grössten Probleme, mit denen Vancouver momentan zu kämpfen hat:

Obdachlose & Drogenkriminalität

Wir haben einen kompletten Strassenstrich direkt neben der touristischen Altstadt, der durch und durch von Obdachlosen besetzt ist. Hier reiht sich ein Zelt nach dem anderen, es werden geklaute Gegenstände verkauft, Drogen öffentlich gespritzt…diese Ecke ist mittlerweile zu einem richtigen Sumpf verkommen, wo man sich selbst mit dem Auto nicht gerne durchwagt.

Mieten & Hauspreise

Obwohl Vancouver von den Lebensunterhaltungskosten weit hinter den teuersten Städten wie New York, London oder ZĂĽrich liegt – der Wohnungsmarkt ist eines der grössten Frustthemen hier.

Die Baukosten pro Quadratmeter betragen knapp CA $3,200 (etwa 2,400€).

Die Mietpreise für eine etwa 60m2 grosse Wohnung beträgt im Durchschnitt CA $2,300 (etwa 1.700€). Im Vergleich dazu beträgt die (Kalt)Miete in Frankfurt für eine solche Wohnung etwa 900€.

Dies wird als eines der grössten Argumente benutzt, warum wir hier so viele Obdachlose haben. Was aber sicher nicht der einzige Grund ist.

Was mich aber langsam persönlich nervt, ist der extreme Einkommensunterschied, den man hier in der Stadt sieht: da fahren die fetten Porsches, Jaguars, Bentleys vor und steigen in die luxuriösesten Bars, Clubs und Hotels wobei direkt um die Ecke die vergammelten Obdachlosen auf dem Gehweg rumhängen und sich den nächsten Schuss setzen.

Verkehr

Wilson und ich haben das Glück, direkt in der Innenstadt zu wohnen und von zu Hause zu arbeiten. Wir können alles zu Fuss erledigen und wenn wir Sport machen, starten wir meist direkt vor der Haustür.

Sobald man aber die Stadt verlassen möchte, wird es nervig. Wo auch immer man hin will, man muss in Vancouver BrĂĽcken ĂĽberqueren. Und die bieten nur limitiert Platz. Es ist IMMER Stau in der Stadt – und so habe ich meine Mountainbike-Aktivitäten zum Beispiel extrem reduziert. Es nervt einfach, wenn man insgesamt 2 Stunden im Auto sitzt (fĂĽr eine Distanz, die nicht länger als 40 Minuten dauern sollte), um 1 Stunde Fahrrad zu fahren. Da gehe ich lieber eine Stunde joggen und nutze zwei Stunden fĂĽr etwas GemĂĽtlicheres.

Ich verstehe bis heute nicht, warum Vancouver nicht:

  1. Über Tunnelbau nachdenkt (damit könnte man die verschiedenen Gebiete so viel besser verbinden als den Verkehr durch die Innenstadt zu lenken!)
  2. Die verdammten Eisenbahnschienen für einen öffentlichen Nahverkehrszug nutzt (statt nur für den Gütertransport wie es heute passiert).

Hm, vielleicht sollte ich mich nächstes Mal zur BĂĽrgermeisterwahl aufstellen lassen 🙂 Bei all dem “inclusiveness” und “diversity” und “frauenfreundlich” habe ich in wenigen Jahren bestimmt auch als Zugezogene die Möglichkeit, ganz oben mitzuspielen 🙂

Aber erstmal is Ken Sim, unser Neuer, dran. Na dann: ran ans VergnĂĽgen, Herr BĂĽrgermeister!

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